Oft angekündigt – im letzten Jahr war es dann endlich serienreif. Wild Country brachte “das sicherste Sicherungsgerät” auf den Markt. Erste  Besonderheit: Das Seil kann bidirektional eingelegt worden, und der Blockiermechanismus funktioniert unabhängig davon. Folglich ist ein falsches Einlegen des Seil in das Sicherungsgerät quasi ausgeschlossen.

Von der Funktionsweise her wird mit dem Wild Country Revo gesichert wie mit einem Tube. Es ist in diesem Sinne kein Halbautomat, sondern durch die Paniksicherung eher als Autotube zu sehen. Die Paniksicherung funktioniert nach dem Prinzip einer Fliehkraftbremse: Bei einer bestimmten Drehzahl werden Klappen durch die Fliehkraft nach außen gezogen und begrenzen so die Drehzahl auf ein bestimmtes Maß. Beim Revo spricht die Fliehkraftbremse bei einer Seilgeschwindigkeit von 4 m/s an.

Bevor ich mich mit dem Revo vertraut gemacht habe, waren mir die Sicherung mit Tube (ATC von Black Diamond), Grigri (noch das erste Modell) und natürlich HMS bekannt.

Das Einlegen des Seils funktioniert relativ simpel, geht dann aber doch schwieriger als z.B. beim Grigri. Ich persönlich kann mit dem Argument des falschen Seileinlegens nicht viel anfangen. Legt man das Seil verkehrt herum in ein Tube, passiert erst einmal nichts, die Bremswirkung ist trotzdem da. Beim Grigri merkt man relativ schnell beim ersten Seil ausgeben/einziehen, das etwas nicht stimmt. Auch die HMS kann man nicht verkehrt herum einhängen.

Die Blockierfunktion ist ein nettes Feature und funktioniert zuverlässig bei harten Stürzen. Will man jedoch dynamisch sichern, kommt man mit der Bremse manchmal durcheinander: Während beim Grigri das Ansprechverhalten relativ gering ist (also ein weich gesicherter Sturz den Blockiermechanismus auslöst, bedarf es beim Revo eben einen bestimmten GESCHWINDIGKEITSeintrag, unabhängig vom KRAFTeintrag. 

Also: Ein Umgewöhnen auf das Revo ist sehr wohl nötig und unbedingt erforderlich, um eine Fehlbedienung auszuschließen. Bergsteigen.com sieht das wohl anders – sorry aber das ist einfach nur gefährlich. 

Um die Blockierfunktion aufzuheben, muss der Hebel durch das Seil nach unten gedrückt werden.

Nun die Frage, die meiner Meinung nach aus der Praxis heraus relativ interessant ist: Wie ist der Testeindruck vom Revo, wenn man von einem gewohnten Sicherungsgerät umsteigt? 

  1. Umstieg Black Diamond ATC Tube auf Revo

Vom Handling fühlt sich das Revo eher wie das ATC Tube an. Daher ist mein subjektiver Eindruck eben auch, dass der Umstieg hier leichter fällt. Der einzige Unterschied vom Handling her ist die Panikfunktion sowie der leicht andere Winkel der Bremshand. Während beim Revo sich die Bremshand bei mir eher auf Gerätehöhe befindet, muss und ist die Bremshand beim Tube eher unterhalb des Gerätes.

    2. Umstieg Grigri auf Revo

Beim Sportklettern sicher ich zu 99% mit Grigri. Großer Vorteil: Das Grigri hat ein kleines Ansprechverhalten, die Feder reagiert schon auf vergleichsweise kleine Kräfte. Mir persönlich würde ein Umstieg auf das Revo vom Grigri schwer fallen. Hauptproblem: Bei einer unerwarteten dynamisch gesicherten Belastung (Sturz des Vorsteigers) habe ich mir immer die Frage gestellt: “Macht das Revo nun zu oder nicht?” Damit ich den gleichen Sicherungskomfort wie beim Grigri habe (sprich: keine große Blockierkraft in der Bremshand aufwenden), müsste das Gerät automatisch blockieren. Dies tut es aber nur, wenn die Seilgeschwindigkeit >= 4m/s ist. Also lasse ich das Bremsseil im Sturzfall einfach los, damit das Gerät automatisch blockiert? Nee.

Dies ist meinen Augen der gravierendste Nachteil: Wird die Seilgeschwindigkeit nicht erreicht, blockiert das Revo nicht. Eine Fehleinschätzung des Anwenders kann fatale Folgen haben. Daher ist eine gründliche Schulung wie bei jedem Sicherungsgerät unbedingt notwendig. 

Gut, Wild Country schreibt, dass das Revo eben auch kein Halbautomat ist, sondern eher als Tube mit Backupfunktion verkauft wird. Ist meiner Meinung nach auch völlig zutreffend. Diese Erkenntnis muss aber auch die Erwartungshaltung des Käufers sein.