Wenn man nun die ganzen Alpinkletterklassiker quasi vor der Haustüre hat, muss man einfach mal anfangen. Da passte es gut, dass der Christian ein paar Tage Zeit hatte und wir beide den Ultra-Pause-Klassiker Fußstein Nordkante auf dem Wunschzettel hatten und dazu der Berg noch bei mir vor der (neuen) Haustür steht.

Geduldig warteten wir auf gutes Wetter, als sich dieses abzeichnete wollten wir es trotzdem an einem Tag herpressen. Also früh morgens aus den heimischen Feder, kurze Fahrt und danach auf die Gäule…

Wir verkürzten den Zustieg ebenfalls per Rad, und waren bald am Depot bei der Materialseilbahn. Der weitere Aufstieg durch den alten Bergwald ist sicher wunderschön, wobei wir davon im Dunkeln leider überhaupt nichts sahen. Bald waren wir oberhalb der Hütte, und in der Dämmerung leuchteten die Berge am Hauptkamm:

Bald zweigten wir von dem Weg, der von der Geraer Hütte (sprich: Gerer Hütte) in Richtung Wildlahnerscharte für, ab und wandten uns über Geröll und Gletscherchenreste der Nordkante zu. Über einen blanken Steilaufschwung erreichten wir den Fuß der Kante. Zu dieser Jahreszeit (Ende Juli nach einem schneereichen Winter) war der Bergschrund noch gut passierbar. Etwas kombinierte Kletterei führte auf das markante Querband, an der sich ein mittelprächtiger Standplatz errichten ließ.

Weiter ging es unschwierung über das Band zum Einstieg, dieser ist durch 1 Klebehaken und 1 Bohrhaken gut sichtbar, ca. 90m vom Beginn des Bandes.

Die Kletterei entpuppte sich meiner Meinung nach schwieriger als vermutet, zumindest wenn man noch nicht so viel im Granit gemacht hat 😉

Die Standplätze sind überwiegend gebohrt, dazwischen muss aber bis auf ca. 10 Schlaghaken in der gesamten Tour selbst abgesichert werden. Ein großes Problem ist die Steinschlaggefahr durch vorauskletternde Seilschaften, daher nach Möglichkeit unbedingt früh einsteigen und die Pole-Position verteidigen.

 

Plötzlich ein Scheppern über uns, und der Himmel war voll von Geschossen: Steinschlag! Es sollte der einzigst heftige an diesem Tag sein, Glück gehabt! Nach dem markanten Querband war die Gefahr weitestgehend gebannt.

Mehrfach musste man in der Tour einfach mal Wegsteigen und sich über Platten und durch griffige Risse schieben. Die Absicherung war meist sehr gut möglich.

Im oberen Teil nach dem Wandbuch folgten die schönsten Seillängen: Fester Fels, steile Risse die sich super absichern ließen, gepaart mit einer exponierten Kletterei. Ein Quergang oberhalb des markanten Daches und eine letzte Seillänge durch Risse leitete in nominell leichteres Gelände, nun begann aber die eigentliche Herausforderung…

Der Abstieg ist durch rote und blaue Punkte gut markiert. Vom Gipfel leitet dieser ausgesetzt, aber einfach den WSW-Grat (Hüttengrat hinunter, bevor weiter durch die Südflake abgestiegen wird. So meine Information, zusätzlich hatte ich ein Wandbild der Südflanke aus dem Alpenvereinsführer “Zillertaler Alpen” auf meinem Smartphone gespeichert. Kann also eigentlich nix schiefgehen…denkste!

 

Der Abstieg leitete recht weit auf den Grat hinaus, und ich dachte von der Grobrichtung müssen wir doch eigentlich mehr in die Südflanke. Nicht dass wir gleich vom Grat nicht mehr in die Flanke kommen, also seilten wir uns an einem Marke Eigenbau Abseilstand ab.

Wir querten nach dem Wandbild (mit Abstiegsroute) in die Flanke, befanden uns aber in einem der besch… Gelände in dem ich je war. Riesige absturzbereite Blöcke, Schotter, Eis..alles da nur keine Markierungen mehr. Frust und Angst machten sich breit..das kann jetzt nicht sein. Christian blieb ruhig und wir entscheiden uns zurück ins große Couloir zu queren, um in diesem Kanonenrohr abzusteigen.

Dank Pickel und Steigeisen waren wir zügig abgeblättert, und siehe da: Ab dem Sporn war der Weg wieder bestens markiert. Was war die Ursache für unser Versteigen? Wir hätten länger am Grat bleiben müssen, um später in die Flanke zu queren. Der Abstieg verläuft übrigens auf dem Foto oben links vom Couloir durch die Felsen.

Der weitere Abstieg war ausgesetzt und forderte weiter unsere ganze Konzentration, war jedoch deutlich angenehmer als das Sch..Gelände zuvor. Über einige eingerichtete Abseilstellen waren wir dank unserer Verhauer erst spät wieder bei der Hütte und noch später im Tal..

Fußstein Nordkante an einem Tag vom Tal…ein Traum wird wahr! 🙂

Facts:

  • gutes Topo bei bergsteigen.com
  • Empfehlung auf 2 Halbseile, da Steinschlaggefahr. Prinzipiell mit 60m Einfachseil möglich, alle Abseilstellen max 30m lang.
  • Ausrüstung: Pickel, Steigeisen, Satz Camalots bis Gr. 2, auch Keile lassen sich gut unterbringen!
  • ev. vorher auf der Hütte anrufen und den Zustand des Bergschrundes erfragen!