Offene Rechnungen sollte man sofort begleichen, sonst kommt man schnell in arge Probleme. Beim Klettern ist das fast genauso. Je länger man eine offene Rechnung nicht begleicht, desto größer wird der Druck, die Tour doch noch einmal zu probieren…

Letztes machten Sina, Matze, Mau und ich uns mal wieder ins Elsass auf, da jeder von uns dort noch offene Rechnungen hatte bzw. Sina überhaupt noch nicht dort gewesen ist.

Gegen 16 Uhr am Freitagnachmittag waren wir am gut gefüllten Parkplatz unter dem Sandsteinriegel bei Marlenheim eingetroffen. Die WarmUp Touren im Grad 6b hätten wir uns auch schenken können, irgendwie fühlten wir uns alle etwas unwohl, diese Platten wegzustehen. Dank der guten Reibung des Sandsteins hielten die Füße dann aber doch. Trotzdem, ein fader Beigeschmack blieb.

Dann aber ging´s zur Sache: Mit etwas Verwunderung, aber auch Spaß beobachteten wir eine Gruppe junger Franzosen, die sich im Superklassiker Fausses Fractures (7a) versuchten. Eine Route, dich auch ich im vergangenen Herbst schon einmal probiert habe, jedoch mehrfach am letzten schweren Zug gescheitert war. Konkret bedeutete dies, nach ca. 15m perfekter Risskletterei am eine Leiste zu springen und von dort aus weiterzuziehen an ein gutes Band. Größere Leute (jaja…) machen den Zug statisch, dementsprechend geringer sind die Schwierigkeiten für diese.

Sina in Fausses Fractures, Kronthal | Foto: Lukas Brexler

Sina in Fausses Fractures, Kronthal | Foto: Lukas Brexler

Nach mehreren Versuchen an den Exen der Franzosen bauten diese die Tour leider ab. Ich wollte mich aber noch nicht geschlagen geben und stieg wieder ein, diesmal die Exen selbst einhängend. Ich kam höher und höher, sprang an die Leiste – und es hielt! Na also, immer ein gutes Gefühl wenn man ein Projekt abhaken kann. Auch Sina probierte sich in der Tour, während Matze Acme juveline (7c) punkten konnte.

Sina in Fausses Fractures, Kronthal | Foto: Lukas Brexler

Sina in Fausses Fractures, Kronthal | Foto: Lukas Brexler

Am nächsten Tag waren wir wieder da, schließlich wollte Sina die Tour auch punkten. Auch Manu arbeitete in Les porritures terrestes (7c) hart, die tour wollte ihn aber noch nicht oben ankommen lassen. Währeddessen schaute ich mir eine weitere Route links neben Fausses fractures an: Die Purification technique (7a+) bietet verschärfte Risskletterei mit einigen Handklemmern. Bei einem ersten Versuch konnte ich zwar alle Züge klettern, rechnete mir aber wenig Chancen auf einen Durchstieg aus.

„Klettern kann das Motivierenste, aber auch das Demotivierenste auf der Welt sein“ (Chris Sharma)

Dies Zitat schoss mir als erstes durch den Kopf, als ich erfolgreich den Umlenker der Purification technique klinken konnte. Jaaa! Mit zwei entschlossenen Handklemmern, die für mich die Crux der Tour waren, rettete ich mich zum Ausstieg.

Manuel konnte derweil ebenfalls die Acme juveline (7c) klettern.

Den letzten Tag unseres Kurztrips verbrachten wir aufgrund schlecht angesagtem Wetter in der Grotte du Brotsch oberhalb von Saverne, wo Matze mit zwei 7a+ Touren noch einmal abräumen konnte.