Der Name klingt wie Musik – Pattinaggio Artistico! Unsere zweite Cogne-Tour war schon was steiler als die Acheronte am Tag zuvor. Eine Seillänge WI 4, der Rest deutlich leichter, so die Ansage. Mal sehen…

Nachdem wir im Zustieg glatt mal das falsche Tal hinauf sind und den Fehler erst deutlich oberhalb vom Cascade de Lillaz (WI 3, stand aber zu max. 20%) bemerkt haben, waren wir zumindest schon mal ordentlich aufgewärmt. Björn und Christian schauten etwas erstaunt drein, aber ja, beim nächsten Mal höre ich Björn genau zu wo der Eisfall zu finden ist! So liefen wir zu viert das nun richtige Tal (südlich) hinauf. Nach kurzem Suchen entdeckten wir den Pattinaggio Artistico, zu dem man seitlich auf einem Band einquert. Die beiden Kollegen entschieden sich für E tutto relativo (WI 4+), sodass sich unsere Wege von nun an trennten. Durch mühsames Waldgelände erreichen wir den Quergang hinüber zur ersten Seillänge. Hier war auch ein Fixseil in recht gutem Zustand angebracht. Eine kurze, unschwierige Felsstufe kann ggf. auch mittels Abseilen überwunden werden.

L1, WI3: Vom Fixseil weg gutmütiges Gelände in schönem, elastischem Eis, ideales “Warmup” für die bereits sichtbare zweite Seillänge. Kurz vor dem Standplatz rechts (ein Bohrhaken, Schlinge) fing ich doch glatt eine Eisschraube der vorherkletternden Seilschaft auf. Dem Kollegen im Vorstieg war sie schlichtweg aus der Hand gefallen. Ein ehrliches “Merci” war der Lohn.

L2, WI4: Die Schlüsselseillänge der Tour bot tolle steile Kletterei an ganz gut ausgehacktem Eis. Ideal um sich an steilere Züge zu gewöhnen, da diese sich auch noch gut absichern ließen. nach einer zweiten Steilstufe konnte an der linken Begrenzungswand ein gemütlicher Stand bezogen werden. Die Arme liefen schon ein bisschen zu, aber irgendwie hats ja doch Spaß gemacht…

L3, WI3: Michi ging direkt weiter. Über zwei kurze Steilstufen bot sich herrlich genüssliche Eiskletterei. Nur das Wetter uns nicht mehr so gesonnen wie zu Beginn der Tour, es fing an zu schneien. Nun ja…

L4, WI3+: Die letzte wirkliche Seillänge der Tour – so dachten wir. Parallel zu den Franzosen kletterte ich weiter links im Fall und war erstaunt, als ich über die Kante blickte. Da geht’s ja doch noch weiter! Den (Bohrhaken-) Stand haben wir nicht gefunden (wenn es überhaupt einen hat), Stand ließ sich jedoch bequem zu Beginn der letzten Steilstufe im Eis machen. Wohlwissentlich bohrten wir schon mal eine Albalakov-Eissanduhr für den Rückweg…

L5, WI3+: Die letzte Länge stieg wieder Michi vor. in perfektem, manchmal zu nassem Wassereis gings durch den Nebel zum Ausstieg der Tour. Sicherheitshalter machte Michi nochmals Zwischenstand und ich spurtete bis zum letzten Stand an einer Riesensanduhr mit Abseilglied. Durch die schon vorbereitete Abseilpiste waren wir mal wieder ruckzuck am Ausgangspunkt. So hatten wir insgesamt nur rund 3h für den ganzen Eisfall gebraucht.

Facts: Cogne – Pattinaggio Artistico (WI 4)

Tolle Mehrseillängentour mit kurzer steiler Sequenz, die sich im kompakten Wassereis abspielt. Dadurch gut absicherbar. Die Standplätze sind meist gut eingerichtet, lediglich einen haben wir selbstgebaut. Auch ein Fußabstieg ist möglich (haben wir aber nicht gemacht).

Material: 10-12 Schrauben, Reepschnur, Messer, 60m Halbseile