Für unsere erste Eistour in Cogne suchten wir uns eine relativ leichte Tour aus, die aber mit 7 Seillängen auch nicht zu kurz war. Ein Cafe in Cogne ist einer der Szenetreffpunkte für Eiskletterer, hier gibt es neben gutem Cappucino auch aktuelle Informationen zum Zustand der Eisfälle. Nachdem wir uns am Vortag bereits dort informiert haben, stand am Folgetag das Acheronte-Couloir auf dem Programm. Unmittelbar rechts des Superklassikers Patri (WI 4) gelegen, ist es meiner Meinung nach mehr als nur eine Ausweichtour, wenn sich im berühmten Nachbar die Seilschaften mal wieder stauen.

L1, WI 3: Schöner, nicht zu schwerer Auftakt ins Vergnügen. Mehrere Aufschwünge mit gut gewachsenem Wassereis sorgen für einen tollen Auftakt. Bei mir löste sich nach ca. 15m das rechte Steigeisen vom Fuß, viel zum Glück jedoch nicht herunter. Nach etwas Fixierarbeit konnte ich die Seillänge bis zum Stand an zwei Bohrhaken an der linken Begrenzungswand ganz entspannt zu Ende klettern.

L2, L3, L4, max. 50 Grad: Die nun folgenden drei Seillängen kletterten wir am laufenden Seil. Eine Sicherung war bei uns ob der sehr hohen Schneelage nicht nötig, man konnte jederzeit sicher und bequem stehen. An den Seiten (links) sind Bohrhakenstände eingerichtet, die bei weniger Schnee und mehr Eis durchaus hilfreich sein können. Michi wühlte einen richtigen Graben hinauf – in Anlehnung an Gerlinde K. wie ein Caterpillar 😉

L5, WI3+: Über leicht morsches Eis stieg ich weiter auf eine Verengung des Couloirs zu. Hier kam erstmals richtiges Chamonix-Feeling auf, die im Vergleich doch dickere Luft war der einzige Unterschied J Der viele Neuschnee der letzten Tage hatte sich hier schon ganz gut gesetzt und bot komfortable Möglichkeiten, das Eisgerät auch mal im festgefrorenen Schnee zu versenken. Zum Sichern war dies natürlich kein Standard, was bei der geringen Schwierigkeit aber auch kein Problem war. Stellenweise fand sich dann doch relativ gutes Eis, wo dann eine 16cm-Schraube untergebracht werden konnte. Anyway – der Spaß steht für mich beim Klettern immer noch im Vordergrund, und den hatte ich hier definitiv. Bohrhakenstand auf der linken Seite.

L6, WI3+: Nun sollte also die Schlüsselpassage der Route folgen, auf die wir von den unteren Seillängen schon einmal heraufgeschaut haben. Nach einem kurzen Schneefeld verengte sich das Couloir wieder. Die Eisqualität war jetzt nicht so toll: Von der Sonne komplett weiß verformtes Eis war zwar toll zum Klettern, aber weniger toll zum Sichern. Die erste Schraube ging erst nach der halben Seillänge in gutes Wassereis, bevor die interessanteste Kletterstelle der Tour kam: Es galt, unter einem kleinen Felsüberhang das Couloir zu verlassen. Wirklich tolle Kletterei, die sich an dieser Stelle auch noch vernünftig sichern ließ. Der Rest zum Stand an 2 Eisschrauben (Normalhaken rechts) war dann Formsache.

L7, WI 3: Kurze Unschlüssigkeit, ob es noch weitergeht. Ich steige trotzdem ein und erblicke hinter einer Kante (WI 3) die wirklich 25 letzten Meter in leichtem Gelände. Auch die waren schnell abgespult. Am Ausstieg frischte der Wind auf und trog große Mengen Neuschnee in die Rinne, sodass mich beim Standplatzbau (2 Bohrhaken links) ein wahrlich intensiver Spinddrift traf. Die Dusche tat jetzt net so gut, aber sei´s drum. Wir hatten unsere erste Cogne-Tour erfolgreich gemeistert!

Das Abseilen lief wie am Schnürchen, und nur eine Stunde später waren wir wieder am Materialdepot. Früher Nachmittag, hm…und nun? Na klar, Patri! Der Fall ist ja nur 10 Minuten entfernt. Wir hängten die 3 Seillängen bis zum großen Schneeband noch dran, mussten dann aber die letzte lohnende Stufe wegen Überfüllung (!!!) auslassen. Fünf Seilschaften, unter ihnen Christian und Björn, kletterten mehr oder weniger gleichzeitig dort hinauf. Wahnsinn…

Facts:

Acheronte, WI 3+, 7 SL

Zustieg: Vom Parkplatz in Valtoney das Tal hinauf bis zum Schild (“Patri”). Diesem Weg folgen bis knapp unter den Einstieg und dann noch ca. 15 min rechterhand queren. Schöner, nicht zu schwerer Fall. Ideal als Einstieg in eine Eiskletterwoche in Cogne. Material: 8 Eisschrauben, die Standplätze sind meist vollständig eingerichtet und auch zum Abseilen geeignet.