Ursprünglich war an diesem Wochenende gar keine Tour geplant. Doch die günstige Fügung von Wetter, Verhältnissen und Tourenpartner ergab doch die Möglichkeit, was in den Bergen zu machen. Schon einige Versuche habe ich an der Taschachwand im hintersten Pitztal gemacht. Doch immer mussten wir aufgrund von zu schlechten Verhältnissen noch vor der Wand bzw. kurz nach dem Einstieg umdrehen.

Doch diesmal sollte alles glattgehen.

Langsam stellt sich eine gewisse Routine ein. Anfahrt und Aufstieg ins Taschachtal kenne ich von zahlreichen Besuchen des Taschachhauses. Aber diese Tour wird ein wenig anders als die bisherigen Versuche. Wir starteten diesmal direkt ab Auto mit leichtem Gepäck. Den längeren zustieg zur Wand versuchten wir durch einen früheren Startzeitpunkt auszugleichen.
Bereits um 4.30 Uhr trotteten wir hinaus in die klare Nacht. Der Fahrweg ins Taschachtal war stellenweise unangenehm vereist und mit den Turnschuhen schwer zu begehen. Bald wechselten wir an der Materialseilbahn auf die Bergstiefel und folgten dem Hüttenzustieg. Nachdem wir das Taschachhaus hinter uns ließen, folgten wir dem Sommerweg in Richtung Pitztaler Gletscher. Dies sollte sich jedoch als Fehler herausstellen.

200 Höhenmeter oberhalb der Hütte trauten wir uns nicht weiter. Ich habe mich verschätzt, der Wind hatte doch einiges an Schnee in die Flanke unterhalb des Urkundkopfes geblasen. So machten wir kehrt, stiegen ca. 250 Höhenmeter am Taschachhaus vorbei hinunter und querten den exponierten Winterweg hinauf Richtung Gletscher.

Am Gletscher mussten wir etwas Tempo rausnehmen. An geeigneter Stelle zogen wir uns die Eisausrüstung an und stiegen zunächst noch seilfrei der unteren, ca. 45 Grad steilen Einstieg der Wand hinauf. Wir nutzten dabei die linke der drei Rinnen, die hinauf zum höchsten Punkt der Taschachwand ziehen.

Leicht & schnell ist die Devise.

Die Verhältnisse waren wirklich gut. So gut wie ich es noch nie erleben durfte. Mit möglichst gleichmäßigen Schritten näherten wir uns der Schlüsselstelle der Wand. Ein 150 Höhenmeter umfassender blanker Wandteil erforderte dann doch das Seil. Zügig ging´s hinauf und bald standen wir im Sturm am Gipfel.

Der Rückweg war weit, sodass wir uns sofort an den Abstieg machte. Über das Taschachjoch und den Urkundsattel stiegen wir in das Sexegertental hinab. Der Klettersteig hinunter in den Talboden war „easy going“ bot dennoch spannende Momente.

Bald kam das Taschachhaus in Sicht.

Dort trafen wir auf eine Wiener Seilschaft, die sich die Wildspitze mit den Tourenski vorgenommen hatte. Mutig ob der großen Spaltenzonen im oberen Teil des Taschachgletschers, die meist noch keine tragfähigen Schneebrücken aufwiesen. Aber am Berg soll eben jeder selbst wissen was er tut.

Wir spazierten im Mondlicht und mit hängenden Knochen hinaus zum Auto.

Taschachwand – endlich.