Obwohl wir in unseren Breitengraden ja schon gefühlt fast Sommer haben, wurde für Christi Himmelfahrt noch einmal die Skiausrüstung ins Auto geladen. Auf das Taschachhaus sollte es gehen. Der dortige WInterraum ist sehr angenehm ausgestattet, sogar Getränke hat es dort oben. Genial!

Doch schon bei der Anreise wäre die Tour fast zuende gewesen. Treff mit Uli um 04.30 Uhr in Merklingen, so war es ausgemacht. Und tatsächlich stand der Passat schon auf dem Parkplatz, als wir dort ankamen. „Servus, guten morgen!“, holte die Ski aus dem Auto und lud sie bei Uli in den Kofferraum. Blöd nur das Uli gar nicht Uli, sondern Wolfgang war. Der wollte auch auf Skitour, aber zur Weisseespitze ins Kaunertal. Was ein Gelächter, als der „richtige“ Uli 5min später auf den Parkplatz kam…So ist das wenn man mit neuen Tourenpartnern loszieht.

Nach problemloser schneller Anfahrt waren wir bereits um 07:30 am Parkplatz der Gletscherbahn. Zu Fuß ging es mit den schweren Rucksäcken durch´s Taschachtal, wo  eindrucksvollen Lawinenkegel gequert werden mussten. DIe Lawinen stammten aus den Flanken des Mittagskogels und zeigen eindrucksvoll, wie gefährlich dieser Talabschnitt im WInter ist. Ab der Materialseilbahn steigen wir steil die Moräne hinauf, bevor wir gegen 11:00 das Taschachhaus erreichten. Schnell die Lebensmittel und Übernachtungssachen abgeladen und auf die Ski, in Richtung der Südlichen Sextegertenspitze (3429m). Start war um 11:45 am Taschachhaus. Flach zunächst durch das Sextegertental, bevor eine erste Steilstufe hinauf zum Sexegertenferner fordert. Der Schnee war zu dieser uhrzeit beriets recht weich. Jedoch wurden die Verhältnisse mit zunehmender Höhe besser. Auch das Wetter zeigte sich noch von seiner freundlichen Seite. Gegen 16 Uhr erreichten wir nach gut vierstündigem Aufsteig den Gipfel der Südlichen Sexegertenspitze. DIe Abfahrt war im aufgefirnten Schnee zunächst ein Genuss, bevor der Schnee im Talboden des Sexegertentals immer weicher wurde. Uli hatte die Hütte bereits gut eingeheizt, sodass wir unsere Flüssigkeitsreserven nach der Tour im warmen Gastraum auffüllen konnten.

Der nächste Tag brachte wie angekündigt eine Kaltfront mit Schneefällen von insgesamt 10 cm. Wir wollten trotzdem eine kleine Skitour machen und liefen ein wenig das Sextegertental hinein. Es machte jedoch im Schneefall keinen Sinn, sodass wir uns recht bald zur Umkehr entschlossen und gegen 11:30 wieder die Hütte erreichten. Kurz darauf kam natürlich die Sonne hervor. Zu unserem Entsetzen rauschte kurze Zeit später eine massive Nassschneelawine aus den Flanken des Urkundkopf bis in den Talboden des Sextegertentals und den Gegenhang wieder hinauf. Vor einigen Stunden waren wir dort noch aufgestiegen und abgefahren.

Der nächste Tag brachte strahlend schönes Frühlingswetter. Der Schnee von gestern hatte sich gesetzt und daher waren die Vorraussetzungen optimal für eine Tour auf die Wildspitze (3770m). Nach der heiklen Querung auf den Taschachgletscher ging es gleichmäßig bergan. Ein richtiger Genuss! Julian kannte den optimalen Weg durch die Spaltenzonen des Taschachferners, sodass wir problemlos zunächst auf die Petersenspitze (3484m) gelanten. Uli musste es leider etwas ruhiger angehen lassen und ruhte sich ein wenig aus, während Julian und ich noch zur Wildspitze hinüberliefen. Der Gipfelgrat war etwas heikel, der letzte Aufschwung musste in anregender, leichter Mixed-Kletterei überwunden werden. Klasse! Im Sommer aber deutlich einfacher. Die Abfahrt war der reinste Genuss. Durch den butterweichen Firn ging es den Taschachgletscher hinab, bevor wir uns wieder mit Uli trafen. Gemeinsam fuhren wir weiter hinab. Und dann: Wegen dem tageszeitlich zunehmenden Steinschlag aus den Flanken des Urkundkopfes entschlossen wir uns, nicht zurück durch diese Flanke zum Taschachhaus zu traversieren. Stattdessen fuhren wir weiter hinab in Richtung der Talstation der Materialseilbahn und stiegen die Moräne wieder hinauf. Dies war eine sehr anspruchsvolle Abfahrt!

Der letzte Tag: Ursprünglich mit dem Plan gestartet, eine der vielen Nordwände zu durchsteigen, hatten wir uns zum Taschachhaus aufgemacht. heute sollte es endlich was werden!  Uli ist  am Morgen direkt abgestiegen, sodass Julian und ich zu zweit zur Nordwand des Hinteren Brochkogels (3635m) aufbrachen. Unterwegs legten wir auf dem Gletscher in Höhe des Mittelbergjochs (3166m) ein Depot mit unserem Übernachtungsgepäck an. Warum? Abwarten… Während des weiteren Aufsteigs klagte Julian  über Knieprobleme und ermutigte mich, die Nordwand solo zu probieren. Und mal echt: Viel sichern kann man bei den Verhältnissen auch nicht. Also stieg ich ein: Solo in die Nordwand des Brochkogels. Zunächst lief es prächtig: Gleichmäßig gewann ich an Höhe. Doch bei einem Sporn, nach einem Drittel Wandhöhe, war Schluss. Ich fühlte mich nicht mehr sicher. Das lag an zwei Faktoren: Erstens die Schneeauflage. Diese bestand aus einem sehr brüchigem Harschdeckel mit 10cm Neuschnee darunter. Das war mir nicht geheuer. Und zweitens: Die Steilstufe mit 75 Grad Blankeis im obersten Wandteil wollte ich rechts umgehen. Dort versperrte aber eine Querspalte den Weg. Diese Faktoren bewegten mich ohne lang zu überlegen zur Umkehr. Das Risiko wollte ich nicht eingehen. Ich kletterte wieder hinab und traf auf Julian, der am Gipfel der Petersenspitze gewartet und mich beobachtet hat.

Gemeinsam liefen wir weiter bis zum Mitterkarjoch (3470m). Nach einer kurzen Rast fuhren wir hinab zum Depot und packten die Rucksäcke. Statt über den Taschachferner abzufahren steigen wir nun hinauf zum Mittelbergjoch. Wir erhofften uns eine deutlich bessere Abfahrt, außerdem war der Fußweg zum Auto deutlich kürzer. Und tatsächlich: Durch das verlassene Skigebiet fuhren wir über perfekt aufgefirnte Hänge hinaub. Super! Jedoch bot sich beim Anblick des Fußweges zurück nach Mittelberg ein verstörender Anblick: Mit schwerem Gerät wurde eine neue Piste gebaut. Muss das sein? Es gibt doch so viele Abfahrten, und hier wird die Landschaft noch weiter verschandelt. Wer jetzt sagt, wir haben doch die Pisten für die Abfahrt und den Abstieg genutzt: Nein! Die Abfahrt über den Gletscher des Skigebiets hätte auch ohne die Präperierung funktioniert. Und den Fußweg nach unten durch das Tal hätten wir auch ohne Piste machen können. Ein fader Beigeschmack wegen dieser Eindrücke blieb, trotz der sehr schönen Touren in der Tiroler Bergwelt.