Das schöne Hochdruckwetter und die Verhältnisse schrieen mal wieder förmlich nach einer Tour in den Bergen. Jetzt, Anfang April, waren insbesondere die Bedingungen für Skihochtouren nahezu perfekt. Den ursprünglichen Plan, die Amberger Hütte, mussten wir leider wieder verwerfen, da diese ab Freitagabend ausgebucht war. Nach einigem hin und her zwischen meinem Skitourenpartner Julian und mir einigten wir uns schließlich auf die mir sehr gut bekannte Franz-Senn-Hütte im Stubaital oberhalb Neustift. Hatte ich doch im vergangenen August dort meine DAV Trainer-C-Bergsteigen Ausbildung erfolgreich absolvieren können. Bei einem Blick auf die Karte und der möglichen Tourenziele lief uns schon das Wasser im Munde zusammen, ein Skitourenschmankerl reiht sich dort an das nächste…

Am Dienstag nach Ostern wurde nicht nur die Großwetterlage in den Alpen wieder besser, ich machte mich auch auf den langen Weg dorthin. Nach kurzer Nächtigung bei meinem Bruder in Frankfurt saß ich am frühen Mittwochmorgen schon wieder am Steuer. Frankfurt – Stuttgart – kurzer Stopp bei Julian – Ulm – Fernpass – Innsbruck – Neustift – Parkplatz. So weit ist es doch gar nicht?! Leider ist der Hüttenzustieg im Winter ein wenig länger als die eine Stunde im Sommer und zu guter Letzt hat es mir unterhalb der Alpenland dermaßen den Magen verdreht dass wir mal eine längere Pause einlegen mussten… Wie dem auch sei, gegen 17 Uhr waren wir auf der Hütte, wurden sofort herzlich von den Wirtsleuten empfangen und bekamen unseren Lagerplatz zugewiesen. Nach dem wie immer üppigen Abendessen gabs ein Gute Nacht – auf 2147m!

Am nächsten morgen ging es gegen 07.15 Uhr auf den langen Weg zur Ruderhofspitze (3473m), einem der höchsten Ziele im Tourengebiet der Franz-Senn-Hütte. Die Skitourenspur zum Höllenrachen und weiter Richtung Alpeiner Ferner war noch hart gefroren. Wir konnten uns durchaus vorstellen, welche Temperaturen auf diesem Wegabschnitt derzeit tagsüber herrschen müssen.

Über eine erste Steilstufe ging es steil bergauf, bevor wir den ersten Blick auf den Alpeiner Ferner haben konnten. Mittlerweile war die Sonne schon ganz aufgegangen und brannte auf uns herab. Man, was ne Hitze! Am orografisch linken Gletscherrand schlängelte sich die bereits vorhandene Spur bergan und umging so den Gletscherbruch auf ca. 2900m. Bei diesem Wetter war es der pure Genuss, so gleichmäßig die Ski bergwärts zu schieben und die Landschaft zu genießen. Bei 3000m betragen wir, nach Umgehung des Gletscherbruchs, das weite Plateau des Alpeiner Ferners.

Wir machten es uns auf einem Stein gemütlich und rasteten. Nach und nach kamen noch andere Skitourengänger hinauf, mit ganz unterschiedlichen Zielen: Schrankogl, Wildgratscharte. Weitere Seilschaften wollten ebenfalls zur Ruderhofspitze. Bald machten wir uns an die lange Traverse zur bereits sichtbaren Oberen Hölltalscharte, die wir innerhalb von ca. 40min erreichten. Kurze Überlegung: Ski zurücklassen und zu Fuß zum Gipfel? Oder Ski auf den Rucksack schnallen und damit den Gipfelhang noch abfahren? Zum Glück konnte Julian mich von der zweiten Variante überzeugen, da sonst unsere Tour schneller als gedacht zu Ende gewesen wäre. Aber dazu später mehr.

Über den recht einfachen Gipfelgrat führte eine Fußspur. In leichter Kletterei ging es mal auf, mal ab. Steigeisen und Pickel hatten wir zwar mit, waren jedoch nicht erforderlich. Das Wetter zeigte sich wie angesagt von seiner besten Seite. Lediglich kurze Windböen am Grat waren etwas unangenehm, trübten die Stimmung allerdings nicht. In der Ferne konnte man bereits die Dolomiten erkennen, wie würde der Ausblick erst vom Gipfel sein? Ganz anders jedenfalls als bei der Prüfungstour auf besagtem DAV-Lehrgang, als wir im dicken Nebel und Schneetreiben hier herumkraxelten und nur am Gipfelkreuz sahen dass wir wirklich oben waren.

Nachdem wir den stellenweise ausgesetzten Gipfelgrat hinter uns gebracht hatten, schnallten wir die Ski wieder unter die Füße und stiegen den Gipfelhang hinauf zur Ruderhofspitze. Unter uns brach der Südhang steil zum Ruderhof und zur Gletscherbahn hinab. Auch dort hinunter gibt es eine Abfahrtsmöglichkeit, dafür waren wir jedoch tageszeitlich schon zu spät dran. Nach 10 Minuten hatten wir den Gipfelhang überwunden und standen an der Scharte zur Nordostflanke, wo wir Skidepot machten. Die letzten Meter hinauf waren auch nicht schwer und um 12.30 standen wir auf dem Gipfel der Ruderhofspitze.

Eine herrliche Rundsicht vom Karwendel im Norden bis zu den Dolomiten im Süden bot sich uns. Wir wussten aber: Allzu lange durften wir das Panorama nicht genießen, denn der Gipfelhang wurde in der strahlenden Mittagssonne immer labiler. Daher liefen wir nach zehnminütigem Aufenthalt zurück zum Skidepot, zogen die Felle hab, und ließen die Skibindungen zuschnappen. Der Gipfelhang war schon recht durchgeweicht, aber noch einigermaßen gut fahrbar. In wenigen Schwüngen fuhren wir bis zum Grat hinab, befestigten die Ski am Rucksack und machten uns auf, den Grat bis zur Scharte zurückzulaufen. Auf einmal kamen uns weitere Bergsteiger zu Fuß entgegen – die hatten die Ski allerdings an der Scharte zurückgelassen. Ohne Ski versanken sie jedoch hoffungslos in der weichen Gipfelflanke – zumal es jetzt bereits viel zu spät für einen weiteren Aufstieg durch den Hang war. Julian und ich rieten der Seilschaft daher zu einer Umkehr, was leider ignoriert worden ist. Mir war noch immer das Lawinenunglück von der Ruderhofspitze im Januar 2014 in Erinnerung, obwohl damals frischer Triebschnee eine der Unglücksursachen war. Aber am Berg muss jeder seine Entscheidungen eigenverantwortlich treffen. So setzten wir unseren Weg fort und stiegen den Grat weiter herab bis zu Oberen Hölltalscharte. Wir schnallten die Ski wieder an die Füße und freuten uns auf eine herrliche Abfahrt zur Franz Senn Hütte. Zügig ging es über das obere Gletscherbecken, bevor wir nochmal kurz anhielten und das herrliche Wetter genossen. An der Steilstufe beim Gletscherbruch wartete sogar noch ein wenig Pulverschnee, bevor der Schnee weiter unten leider immer schwerer wurde. Wir hatten trotzdem unseren Spaß!

Das letzte Schiebestück zur Hütte war dann etwas ätzend in der gleißenden Mittagssonne. Wo morgens noch alles hart gefroren war, schoben wir jetzt die Ski durch tiefen Sulz. Das konnte die Freunde über die schöne Skitour aber auch nicht mehr trüben.

Fotos: Julian Wurst, Text: Lukas Brexler