Inspiriert vom neuen Kletterführer Eisklettern Bregenz-Garmisch sowie diversen Berichten vom Rubihorn (1957m) entschloss ich mich, diese Wand auch einmal zu durchsteigen. Vor kurzem bot sich mit Philipp von hiking4 die ideale Gelegenheit, da er die Wand schon auf verschiedenen Routen durchstiegen hat. Unser Ziel war die klassische Nordwandführe (ca. 400m, IV, 50°).

Morgenrot - Schlechtwetter droht?!

Morgenrot – Schlechtwetter droht?!

An einem Samstagmorgen machten wir uns gegen 4 Uhr in Ulm startklar. Wir fuhren zu Harry und Martina, die uns wiederum in ihrem VW Bus nach Reichenbach mitnahmen. Am dortigen Parkplatz „Gaisalpe“ stellten wir das Auto ab und konnten gegen 6.10 Uhr losmarschieren. Zunächst auf Asphalt, dann durch nicht allzu tiefen Schnee ging es der Nordwand entgegen, die sich bei zunehmender Helligkeit vor uns aufbaute. Gegen 8 Uhr standen wir am Einstieg, den großen und unangenehmen Schotterkegel hatten wir bereits überwunden.

Der letzte Teil des Zustiege erfolgte über ein unangenehmes Schotterfeld

Der letzte Teil des Zustiege erfolgte über ein unangenehmes Schotterfeld

 

Das Wetter zeigte sich nicht ganz von seiner besten Seite, ein kräftiges Morgenrot zeigte einen baldigen Wetterumschwung an. Dieser war auch für den frühen Nachmittag vorhergesagt. Wir stiegen trotzdem in 2 getrennten Seilschaften in die Wand ein (Harry/Martina und Philipp/ich). Phillip und ich beschlossen, zunächst einmal seilfrei zu gehen, da wir so schneller als die 2. Seilschaft sind und somit besser spuren können. Nach einigen Metern wartete bereits eine erste unangenehme Kletterstelle. Der Fels war nur mit lockerem Schnee bedeckt, sodass wir die Steigeisen und Eisgeräte schon sehr präzise in den stellenwiese brüchigen Kalk setzten mussten. Wir übersprangen den ersten Standplatz, stiegen weiter und gingen auch die nächste schwerere Stelle seilfrei. Hier bot der ein oder andere durchgefrorene Grasbüschel einen ordentlichen Halt für Steigeisen/Eisgeräte. Weiter gings durch eine Rinne, dann rechtshaltend zu Stand. Ums Eck folgte die dritte kurze Länge, wieder blieb das Seil im Rucksack.

Mixedklettern in der 2. Seillänge

Mixedklettern in der 2. Seillänge

Es machte einfach Spaß, so konzentriert klettern zu müssen! Beim Anblick der letzten schweren Seillänge (und der Crux) sicherten wir dann aber doch. Ich stieg über lockeren Schnee bis in den Trichter vor und sicherte Philipp nach. Der übernahm anschließend das Spuren durch den teilweise hüfttiefen Schnee bis zum Ausstieg. Dabei kletterten wir auf einem kleinen Rücken entlang ein paar Latschen, und nicht wie original gedacht in der Rinne. Darin lag zu viel Triebschnee. Trotz der Spurarbeit erreichten wir gegen 11.45 Uhr den Gipfel und genossen ein wenig die Sonne. Die Störung war zu erkennen, hielt sich aber fein aus dem Allgäu raus. Nach einer Weile tauchten auch Harry und Martina auf. Gemeinsam traten wir nach kurzer Rast den Abstieg entlang des Normalwegs an.

Tiefes Spuren war im oberen Teil angesagt

Tiefes Spuren war im oberen Teil angesagt

Nach diesem ersten Kennenlernen der Wand war es bestimmt nicht mein letzter Besuch. Andere, schwierigere Routen locken!

An der letzten schweren Kletterstelle vor dem Wandbuch

An der letzten schweren Kletterstelle vor dem Wandbuch

Facts:

Rubihorn Nordwand (1957m, ca. 400m Wandhöhe)

Schwierigkeit: ca. IV, M4, 50°, wobei sich die Schwierigkeiten auf die ersten 4 Seillängen beziehen.

Ausrüstung: 5 Express, Keile, Friends, ev Schlaghaken. Eisschrauben sind nicht nötig

Ausführliche Informationen findet ihr im Panico Eiskletterführer Bregenz-Garmisch

 

Gipfelrundblick

Gipfelrundblick

Im Abstieg hatten wir einen guten Blick auf die aktuellen Bedingungen an den oberen Gaisalpfällen

Im Abstieg hatten wir einen guten Blick auf die aktuellen Bedingungen an den oberen Gaisalpfällen