Das Nordisk Telemark 2 ULW (ultralightweight) ist nach Herstellerangaben mit 880g das leichteste 2-Personen-Zelt der Welt. Das ist doch mal ne Aussage! Inklusive Heringe, Abspannleinen, und Packsack kommen nachgewogene 978g auf die Waage. Zum Lieferumfang gehören 5 Heringe, sowie eine Abspannleine für die Tür, damit man diese als Tarp aufstellen kann. Ich habe am Zelt 2 weitere Abspannleinen sowie 2 Heringe ergänzt, um das Zelt auch bei Wind sicher verankern zu können. Daraus resultiert das Mehrgewicht von 98g. Und da Nordisk auf der Webseite eindeutig hervorhebt, dass die Gewichtsangabe nur das Zelt und das Gestänge umfasst, geht das Mehrgewicht aus meiner Sicht in Ordnung.

Optional lässt sich eine passende Zeltunterlage (330g) erwerben, um den Zeltboden zu schützen und ihn somit langlebiger zu machen. In Summe bekommt man für 1308g ein gutes 2-Personen-Zelt, in dem man aufrecht sitzen und im Vorraum sogar noch kochen kann!

Der Zelttest startete mit einer ersten Überraschung: Dem Packmaß von 12x41cm war nur auf den zweiten Blick zu entnehmen, dass hier wirklich ein vollwertiges 2-Personen-Zelt drin ist! Für das geringen Gewicht sorgt ein Karbon-Gestänge, Titan-Heringe sowie ein hauchdünnes Außenmaterial. Um die ebenso dünne Bodenplane zu schützen und Kondenswasser zu minimieren, verwendete ich die optionale Bodenplane (nicht im Lieferumfang enthalten).

Ein paar Worte zu den eingesetzten Materialien: Das Außenmaterial besteht aus 10 Denier (10D) Nylon und ist dreifach silikonisiert. Das Verhältnis von Gewicht (30g/Quadratmeter) zu Zugfestigkeit (8kg) ist klasse! Ein vergleichbares 20 D High Tenacity Ripstop Nylon 66, was beispielsweise beim Hilleberg Anjan zum EInsatz kommt um ebenfalls eine Weiterreitfestigkeit von 8kg hat, wiegt dagegen 40g/Quadratmeter. Die Wassersäule des Außenzeltes beträgt 2.000mm, was völlig ausreichend zugunsten einer guten Atmungsaktivität ist. Der Boden (20D Nylon, 53g/qm) weist eine Wassersäule von 8.000mm auf.

Der erste Praxiseinsatz begeisterte! Man spürt fast nicht, dieses Zelt im Rucksack zu haben. Dennoch blieb ein komisches Gefühl: Würde uns dieses „Zeltchen“ einen sicheren Schutz bieten, auch bei eventuell aufkommendem schlechten Wetter?

Am späten Nachmittag war es schließlich soweit, ein schönes Plätzchen im Wald war gefunden. Wir ebneten diesen noch ein wenig ein und entfernten alle spitzen Äste und Steine. Schließlich wollten wir kein Loch haben! Im Vorfeld habe ich bereits das Zelt vorbereitet: Die vier Aufstellstangen in den jeweiligen Ecken und die Schnüre wurden angebracht, um das Zelt möglichst schnell zu fixieren. Die Aufstellstangen können auch in den Kanälen verbleiben. Drei der vier Aufstellstangen dienen auch als Tarp-Aufstellstange. Nachteil: Das Zelt steht nicht mehr so straff, wenn man diese aus dem aufgebauten Zelt herauszieht. Man würde auch sehr gebückt unter diesem sitzen. Daher habe ich auf die Tarpfunktion verzichtet. Das Einschieben der Carbonstange in den Gestängekanal sollte SEHR vorsichtig erfolgen, da man ansonsten das Material relativ schnell aufschlitzen kann. Das Durchschieben der Stange am Ende des Gestängekanals ist relativ fummelig. Bei den Carbonstange löste sich während der Tour zwei Mal das Metall-Endstück von der Stange. Das Endstück war natürlich weiter über den innenliegenden Gummizug mit der Stange verbunden, trotzdem war es recht nervig, das Metallende wieder in die Stange zu schieben. Hier ist eine etwas festere Verbindung wünschenswert.

Ein paar Worte zu den Titanheringen: Edel, edel! Aber leider nicht so stabil, ich habe direkt mal einen verbogen, als ich den Hering im weichen Waldboden versenken wollte. Da muss man also ordentlich aufpassen.

Innen- und Außenzelt lassen sich getrennt aufstellen, d.h. das Innenzelt kann bei Bedarf auch ausgehangen und separat verstaut werden. Das Platzangebot in der Apside ist für Wanderschuhe und Kocher ausreichend. Außerdem kann max. ein Rucksack verstaut werden, der zweite muss entweder draußen bleiben oder mit ins Innenzelt. Dann wird es aber auch ganz schön eng mit zwei Personen! Aber schließlich ist dies auch ein Leichtzelt. Die maximale Breite des Innenzeltes beträgt im Schulterbereich 135cm, zum Fuß- und Kopfende laufen die Zeltenden schmaler zu. Die Belüftung funktioniert nur eingeschränkt über einen kleinen Lüfter im Kopfbereich. Besser wäre es gewesen, am Fußende eine zweite Belüftungsmöglichkeit zu schaffen, ähnlich wie z.B. beim Hilleberg Akto. So könnte mit dem Kamineffekt eine bessere Durchlüftung entstehen.

Am nächsten Morgen: Auch der Abbau war schnell zu bewerkstelligen. Das Zelt ist so einzurollen, dass die vier Aufstellstangen nicht beschädigt werden. Der Packsack ist ausreichend groß dimensioniert.

Fazit: Das Nordisk Telemark 2 ULW Zelt ist ein Leichtgewichtszelt erster Klasse. Carbon und Titan sparen ordentlich Gewicht. Allerdings bedarf es auch einem vorsichtigem Umgang mit diesem Zelt. Für eine Person ist es eine komfortable Unterkunft, für zwei Personen wird es meiner Einschätzung nach auf Dauer ein wenig eng. Ein wenig Verbesserungspotential gibt es meiner Meinung nach bei der Konstruktion einer verbesserten Belüftung und der Materialauswahl der Heringe, wo ich Aluminium zugunsten der Titanausführung bevorzugen würde.

Video: Das Nordisk Telemark 2 ULW im Stabilitätstest (Quelle: Nordisk)