Nach den anstrengenden Tagen im Santa Cruz Valley verbrachten wir einige Tage in Huaraz, um uns zu erholen und die Akkus aufzuladen. Florian war nur einen Tag später als wir aus dem Santa Cruz Valley abgestiegen, da er sich nicht fit fühlte und mit seinen Freunden dementsprechend nicht mithalten konnte. Bei einem Bier in Huaraz entstand die Idee, die Wartezeit auf die restlichen Tübinger Jungs sinnvoller zu nutzen als nur in Huaraz rumzuhängen. Manuel brachte uns auf die Idee, den Huarapasca (5420m) als Tagestour zu machen. Gesagt – getan. Einen Tag später starteten wir sehr zeitig um 01:30 Uhr mit einem geländegänigen Kleinbus zusammen mit 2 Freundinnen von Manuel. Michi war leider gesundheitlich nicht mit an Bord und verbrachte einem Ruhetag in Huaraz, sodass wir insgesamt zu fünft waren. Nach 2,5 stündiger Anfahrt erreichten wir unseren Ausgangspunkt kurz hinter dem gleichnamigen Pass Huarapasca (4870m), über den die Zufahrtsstrasse führt. Gegen halb 5 in der früh, es war noch stockdunkel, machten wir uns auf den Weg. Über unangenehmes Blockwerk erreichten wir bei Tagesanbruch eine 50 Grad steile Eisflanke, die die Schlüsselstelle der Tour darstellte. Und die Sonnenaufgänge hier! Da sich die Cordilliera Blanca relativ nah am Äquator befindet, gibt es nicht so lange Dämmerungsphasen bei Sonnenauf- und untergang wie bei uns in Mitteleuropa. Die Sonne schießt morgens gegen 6 Uhr in den Himmel empor und scheint gegen 18 Uhr vom Himmel zu fallen! Während die Sonne also in den Himmel emporgeschossen ist, steigen wir seilfrei die Eisflanke ca. 150 Höhenmeter hinauf. Dann wurde das Gelände wieder flacher und über ein Büßerschneefeld erreichten Flo und ich den Gipfel! Leider waren wir nur zu zweit oben, da die anderen wegen gesundheitlicher Probleme am Plateau gewartet hatten. Zügig ging es wieder hinaunter und zurück nach Huaraz, wo wir gegen 14 Uhr wieder eintrafen. Was ein toller Tagesausflug 🙂

Während der Anreise durchs Llanganuco-Valley

Einige Tage später kamen auch Thomas, Steffen, Max und Truffi von ihren sehr erfolgreichen Touren von Alpamayo und Co. zurück und wir gingen in die wohl beste Pizzeria die Huaraz zu bieten hat: Mi Comedia bot wirklich erstklassige Pizzen und hat auch Pasta im Angebot. Hier reifte dann nach viel Geplane endlich der Entschluss, am übernächsten Tag in Richtung Pisco und Huandoy-Gruppe zu gehen. Willy vom durchaus empfehlenswerten Hotel Santa Cruz in Huaraz organisierte uns die Fahrt ins Llanganuco Valley sowie die Esel hinauf bis ins Pisco-Basislager auf 4600m.

An der Abladestelle hieß es erneut: Esel packen! Gemütlich wanderten wir im Anschluss hinauf in Richtung der Pisco-Hütte, wo wir unterhalb unser Basislager bezogen haben. In der Hütte, der wir einen kurzen Besuch abgestattet hatten, habe ich doch tatsächlich den Eintrag der Wusas gefunden! Den ganzen nächsten Tag heißt es: Schleppen! Wir verschoben unser Lager hinter die Moräne bis auf 4600m, um für die darauffolgende Tour auf den Pisco eine möglichst gute Ausgangsposition zu haben.

Den nächsten Tag pausierten wir noch einmal und versuchten, uns möglichst zu entspannen. Um 23 Uhr ging es los Richtung Pisco, jedoch nicht über den technisch recht einfachen Normalweg, sondern über die Südwand.

Truffi navigierte uns zielsicher durch den doch recht stark zerklüfteten Gletscher. Mehr als einmal mussten wir kehrtmachen und uns einen anderen Weg zwischen den Spalten und Abbrüchen suchen. Gegen 6 Uhr stiegen wir in die Wand ein. Im unteren Teil, bis knapp über den Bergschrund, hatten wir stellenweise noch ganz gute Verhältnisse. Dann aber ging die Wühlerei los: Bis zur Hüfte im weichen, steilen Schnee versuchten wir die labilen Riefen zu klettern. Die Sicherung erfolgte ausschließlich an recht prekären Firnankern. Vor der kurzen Mixed-Stelle in Wandmitte gab ich die Führung an Max ab.

Der Felsriegel bot spannende Kletterei im kombinierten Gelände. Danach bekamen wir die Spinddrifts dann so richtig ab. Eine gute Kapuze war da Gold Wert! Die Kletterei in der Riefe blieb weiter heikel. Wirklich sicherer wurde es erst, als wir rechts neben dem großen Serac einen engen Durchschlupf im Eis fanden. Hier war dann auch eine relativ gute Absicherung möglich. Bald hatten wir es geschafft, glücklich stiegen wir auf einer Gratschulter aus der Pisco Südwand aus!

Anschließend gingen wir gemeinsam zum Hauptgipfel (5752m) weiter, den wir im Abendlicht erreichten. Dank guter Spur fanden wir auch zügig den Abstieg, bevor wir gegen 20 Uhr wieder die Zelte erreichten. Und der Rotwein nach dieser Tour…:-)