Für diesen Sommer konnte ich mir nach bestandenem Masterstudium (Wirtschaftsingenieur) eine Auszeit von insgesamt 3 Monaten nehmen, bevor es dann endgültig ins Berufsleben gehen sollte. Was lag da näher, als diesen langen Zeitraum mit intensivem Bergstiegen und Klettern zu verbringen?! Nach längerer Überlegung was man machen könnte, kristallisierte sich die Cordilliera Blanca mit Ausgangpunkt Huaraz heraus. Warum? Nun, eine ganze Menge Vorteile sprechen dafür: Zum einen bietet die Gegend um Huaraz schier unerschöpfliche Möglichkeiten für den Bergsport. Nicht nur zum klassischen Bergsteigen, sodern auch zum Alpinklettern, Sportklettern und Bouldern! Zusätzlich können wir auf eine sehr gute Logistik vor Ort zurückgreifen, beispielsweise lassen sich Esel und Transfers bequem in Huaraz über zahlreiche Agenturen organisieren. Ein weiterer großer Vorteil ist die Tatsache, dass man so gut wie keine Genehmigungen benötigt. Im Gegensatz zum Karakorum, wo man praktisch für alle Berge ab 6000m ein teures Permit (pro Gipfel!!!) benötigt, muss in Huaraz lediglich den Nationalparkeintritt von 65 Soles entrichten. Zusätzlich finde ich die Nähe von Huaraz zu den Bergen sehr angenehm da man praktisch nach jeder 4-10-tägigen Tour seine Akkus in den zahlreichen Restaurants, Kneipen und Diskos (hier sei besonders das Amadeus mit Cuba Libre für 8 Sol empfohlen!) wieder aufladen kann 😉
Auch die gute Erreichbarkeit spielte eine Rolle. Es genügt – im Gegensatz zu vielen anderen Gegenden – eine 8-stündige Busfahrt von Lima nach Huaraz. Andererseits haben die mehrtägigen Anmarschtrekkings in Kombination mit wochenlanger Abgeschiedenheit von der Zivilisation, z.B. im pakistanischen Baltoro-Gebiet, natürlich auch ihren Reiz. Man könnte treffenderweise bei der Cordilliera Blanca um Huaraz von einem „Sprungbrett“ zu den 7- und 8000ern in Pakistan und Nepal sprechen.

Folgende Literatur und Karten kann ich empfehlen:

  • DAV Karten Cordilliera Blanca Nord und Süd, ev. auch Cordilliera Huayhuash. Erhältlich im DAV-Shop
  • Classic Climbs of Cordilliera Blanca. DAS Standardwerk schlechthin! Erhältlich z.B. hier
  • Huaraz, The Climbing Guide. Erhältlich bei Montange Sport in Rosenheim oder direkt in Huaraz (würde ich aber vorher beim Autor abklären, der vor Ort eine Agentur hat). Definitiv das bessere Esfinge-Topo als beim Classic Climbs Führer
  • Vor Ort in der Casa de Guias gibts noch das berühmte „rote Buch“. Hier stehen viele Informationen und Hinweise über Neutouren und Wiederholungen drin. Hier z.B. das Originaltopo von „Daheim sterben d’Leut“ TD+ Nev. Cayesh EB Malte Roeper u. Jörg Steinberger:
Originaltopo „Daheim sterben d’Leut“ TD+ Nev. Cayesh EB Malte Roeper u. Jörg Steinsberger

Nachdem nun das Ziel der Reise feststand, mussten weitere Details geklärt. Wir buchten die Flüge ca. 7 Monate vorher im Januar. Dabei habe ich mich auf ein ortsansässiges Reisebüro verlassen, die mir ein wirklich gutes Angebot gemacht haben. Schlussendlich flogen wir mit Air Europa – 2x23kg Gepäck waren mit inkludiert!

Es ist ratsam, sich gefriergetrocknete Nahrung aus Deutschland mitzubringen, möchte man diese am Berg verwenden. In Huaraz ist so etwas nicht erhältlich. Wir hatten weiter einen reinen Benzinkocher und einen Mehrstoffkocher dabei. Benzin (in Peru als becina blanca bezeichnet) ist vor Ort problemlos erhältlich, während bei Gaskartuschen schonmal der Notstand ausbrechen kann.

Ein durchaus empfehlenswertes Hostel ist das Caroline Lodging. Dies kostet ca. 20 Soles pro Nacht im Mehrbettzimmer inkl. Frühstück. Die grosse Küche kann auch zum eigenen Kochen verwendet werden, und auf der Dachterrasse kann man bequem die Ausrüstung trocknen.

Und plötzlich war August! Wie immer vergingen die letzten Wochen vor der Abflug nach Lima viel zu schnell. Prüfungen, Verabschiedungen und sonstige Verpflichtungen fraßen die ohnehin begrenzte Zeit auf, sodass die letzten Tage vor der Abreise recht hektisch wurde. Zusätzlich erreichte uns die Hiobsbotschaft, dass Julian sich einen Überlastungsbruch im Fuß zugezogen hat und somit nicht mitfliegen konnte. Also eine neue Runde „Wer-nimmt-was-mit“! Aber auch dieses Problem gelöst, sodass ich am 05.08. nach dem Flug von Frankfurt Madrid am dortigen Flughafen auf Michi traf. Gemeinsam gings weiter durch die Nacht über den großen Teich, sodass wir am frühen morgen Ortszeit Lima erreichten. Mit dem Taxi (60 Soles/18$) fuhren wir direkt zum Busstand von Cruz del Sur am Javier Prado. Dieser ist deutlich näher zum Flughafen als der Busstand am Plaza Norte. Weiter ging es in einer 8-stündigen Busfahrt im sehr komfortablen Reisebus (80 Sol plus Übergepäck 1 Sol/kg) nach Huaraz. Kurzfristig mussten wir unser Hostel umdisponieren, da unsere Reservierung verlegt worden ist. Kann passieren, und wir wurden vom Hostelangestellten mit seinem Jeep direkt zum Caroline Lodging gefahren.

Da Huaraz auf 3000m liegt, haben wir die folgenden Tage mit Sportklettern zur besseren Akklimatisierung verbracht. Dazu bieten sich zwei Gebiete hervorragend an, die auch im Kletterführer „Huaraz – The Climbing Guide“ beschrieben sind. Zum einen ist dies das Gebiet Los Olivos, welches sich in Sichtweite von Huaraz befindet. Hier gibt es sowohl sehr steile als auch senkrechte, kleingriffige Kletterei. Die Routen sind gut abgeklettert und hervorragend abgesichert. Ein Collectivo vom Stadion bis zum Klettergebiet koset ca. 1 Sol pro Person. Wer länger Zeit hat und zudem schon höher schlafen kann und möchte, dem sei das Gebiet „Hatun Machay“ empfohlen. Erreichbar ist dieses in ca. 2h Fahrtzeit von Huaraz aus. Zunächst im Collectivo bis Cartac, dann im Privattaxi (15 Sol pro Person) hinauf nach Hatun Machay. Leider gab es in der Vergangenheit Probleme zwischen Einheimischen und Kletterern. Dabei ist leider auch die ehemals sehr gemütliche Hütte zerstört und über ein totales Kletterverbot diskutiert worden. Zum Glück konnte eine Lösung gefunden werden, sodass nun (08/17) das Klettern wieder möglich ist. Übernachten ist allerdings nur im eigenen Zelt möglich (20 Sol für Übernachtung plus 10 Sol Eintritt). Einige wenige Routen wurden ausgenagelt, die meisten Touren waren jedoch in einem guten Zustand. Wir verbrachten zwei Tage hier auf ca. 4200m, wobei wir am Nachmittag des ersten Tages noch einen Akklimatiosationsspaziergang auf einen nahen Hügel machten. Die Nacht war dann nicht so ganz erholsam, sodass beim Klettern am nächsten Tag auch nicht ganz viel ging.

Weitere empfehlenswerte Akklimatisationstouren sind übrigens die Gegend um den Churp See sowie die Laguna 69 oder der Lake Paron. Alle Touren können als Tagestouren von Huaraz aus unternommen werden

Aber nun waren wir bereit und beschlossen, nun ins Santa Cruz Valley zu laufen um uns an den dortigen Bergen zu probieren. Was wir da erlebt haben, erfahrt ihr im nächsten Artikel Peru #2: Alpamayo und Artesonraju!