Über Silvester war ich mit einigen Freunden in Chamonix unterwegs. Wegen schlechter Bedingungen (in der ersten Wochenhälfte viel Wind) fuhr die Bahn auf die Midi nur unregelmäßig. Im Tal standen fast keine Eiswasserfälle, sodass wir notgedrungen etwas auf besseres Wetter warten mussten.

An Neujahr war es dann soweit, wir konnten die erste Bahn auf die Midi nehmen. Weil die Skiabfahrt durch das Vallee Blanche wegen zu wenig Schnee noch nicht möglich war, mussten wir abends die letzte Bahn runter wieder erwischen. Es war daher naheliegend, sich auf eine der kurzen Touren am Tacul zu beschränken. Wir einigten uns schließlich auf das Chere Couloir (WI4, 350m), welches ich im Sommer 2013 schon einmal geklettert bin. Damals war das Eis so weich, dass wir fast durchgehend im Fels sichern mussten.

Der kurze Abstieg über den Midi-Plan Grat war dieses Jahr sehr heikel. Anschließend wechselten wir von den Steigeisen auf die Ski und fuhren unter die Aiguille du Midi Südwand hinab auf das Col du Midi. Dort klebten wir die Felle unter die Ski und stiegen ca. 30 min auf, bis wir am Bergschrund standen. Wieder Ausrüstungswechsel, und ich schlappte gleich mal hinauf bis zum ersten Standplatz:

Der erste gebohrte Standplatz befindet sich am linken Rand des Couloirs auf einem schmalen Felsabsatz. Ich nahm jedoch eine Standmöglichkeit ca. 10m vorher. Daher reichte das Seil (50m) auch nicht bis zum zweiten geboren Standplatz, sodass ich kurz davor Stand an Einschrauben bezog. Der eigentlich Standplatz war ca. 10 Meter weiter auf der rechten Begrenzungsseite und bestand aus mehreren Bohrhaken.

Die Bedingungen waren fantastisch! Die zweite Seillänge führte über eine Steilstufe (85 Grad9, an deren Ende ich wieder Stand an Eisschrauben bezog.

Ich sicherte Achim nach. Uns folgte eine Dreierseilschaft, bestehend aus einem französischen Bergführer mit 2 Gästen. Eine kurze dritte Länge brachte uns unter die nächste Seilstufe, an der ich Stand an Einschrauben bezog. Achim nachholen – Ausblick genießen – welch geniale Tour! Die nun folgende Seillänge überwand eine weitere Steilstufe, die jedoch nicht so lang war wie die erste Stufe. Ich fühlte mich trotz der großen Höhe körperlich fit und hätte mit dieser Leistung (lässiges Vorsteigen in dieser großen Höhe) im Vorfeld nicht gerechnet.

Die letzte Seillänge war easy steigen in flachem Gelänge (50 Grad). Erst im Firn, dann im nicht mehr ganz so ausgewickeltem Wassereis ging es zum letzten Standplatz hinauf. Ich wusste, dass wir noch eine weitere Seillänge (60 Grad) hinaufklettern könnten und sah auch schon den Block des Standplatzes. Aus Zeitgründen entschied ich jedoch, an diesem Punkt abzuseilen.

Wir nutzen die fertig eingerichteten Standplätze und erreichten so sehr schnell (30 Minuten) den Bergschrund. Umziehen und zurück zur Midi-Bahn, wo wir von unserem Fotografen Bernd empfangen wurden 🙂