Vor kurzem fragte ich Jan ob er denn am Wochenende schon was vorhabe. Er verneinte, sodass wir uns auf eine alpine Klettertour einigten. Nach Prüfung des Wetterberichtes stand das Ziel fest: Es sollte ins Salzburger Land auf die Lofer Alm gehen. Deren Südwände haben im Herbst meist beste Bedingungen, zusätzlich hatte Jan da noch eine Tour auf dem Wunschzettel stehen: Die Schneidigen Indianer (8+) führt in 6 Seillängen durch den kompakten Kalkriegel des über 10km langen Wandabbruches.

Die Tour quert unter dem großen Dach nach rechts

Die Tour quert unter dem großen Dach nach rechts

Gesagt – getan: Gegen 17 Uhr trudelten wir bei Michi und seiner Freundin in Unken ein. Sie verwöhnten uns mit selbstgemachter Pizza, im Laufe des abends servierte Michi dann noch den ein oder anderen Schnaps. Lecker!

Erste SL, Nachstieg

Erste SL, Nachstieg

Den nächsten morgen gings dann rasant über die Fahrstraße hinauf zur Lofer Alm. Dank gewisser sagen wir mal Ortskenntnisse verkürzte sich unser Zustieg auf eine gute halbe Stunde. Das Wetter war perfekt: Spätsommerliche Temperaturen bereits am frühen Morgen, sodass der Zustieg schon den ersten Schweiß auf die Stirn brachte. Wir haben Ende Oktober!!! Nach dem Anlegen der Gurte dann 2x Abseilen, was uns bis an den Fuß der Wand brachte. Nun querten wir ca. 15min lang westlich unter der Wand hindurch, bis Jan nach einigem Suchen den angeschriebenen Routennamen fand.

Noch einmal 1. SL Nachstieg

Noch einmal 1. SL Nachstieg

L1 (30m, 8+): Über eine leichte Verschneidung gings in einen schwere Rissverschneidung. Jan führte den Kaltstart souverän, Michi und ich stiegen an je einem Halbseil nach. Der letzte Zug zum Stand hoch forderte mich nochmal richtig. Warum müssen die guten Griffe auch immer soooo weit weg sein?!?!

Michi in der 2. SL

Michi in der 2. SL

L2(40m, 7-): Da jeder mal führen wollte, banden wir uns kurzerhand um und Michi stieg durch diese lange, aber relativ leichte Seillänge bis zu einem gemütlichen Stand auf einem großen Band. Die ungewohnte Plattenkletterei machte sich jedoch bei mir bemerkbar, sodass ich an der ein oder anderen Stelle ganz schön zu kämpfen hatte.

Jan am Stand

Jan am Stand

Da gehts lang!

Da gehts lang!

L3 (20m, 8): Spektakulär sahs schon von unten aus, die Seillänge. Erst über ein großen Überhang, es folgte eine lange Querung bis zum nächsten Stand. Da ich mit Vorstieg dran war, gab ich den Rucksack ab und hing mir die Exen an den Gurt. Erst durch eine glatte Verschneidung, später über einen steilen Überhang mit guten Griffen und viel Luft unter den Sohlen. Dank der super Absicherung aber kein Problem. Nur die griffabstände waren mal wieder nicht ganz nach meinem Geschmack, sodass ich das ein oder andere mal nullern musste. Was solls…

Cooles Ambiente in der steilen SL

Cooles Ambiente in der steilen SL

Steil ist geil :)

Steil ist geil 🙂

L4 (20m, 7): Wir befanden uns direkt unter einem riesigen Dach, an dem ein großes Wespennest klebte. Na super! Hoffentlich erwischt es mich nicht schon wieder, ich habe keine Lust auf eine Wiederholung der Wespenstich-Tortur wie im Frankenjura letztens… Jan war mit Vorstieg dran und stieg (aufgrund des falschen Topos) direkt mal zu weit nach oben, obwohl er eigentlich unter dem Dach hätte queren müssen. Irgendwann bemerkte er den Fehler und stieg wieder ein Stück hinunter und kletterte zum „richtigen“ Stand hinüber. Michi und ich folgten, das Ambiente war genial: Eine schöne Aussicht verbunden mit einer großen Ausgesetztheit!

Servus!

Servus!

Nachstieg 4 SL

Nachstieg 4. SL

L5 (25m, 8/8+): Die „Königslänge“, also die Querung unter dem Riesendach hindurch, fiel folglich an Michi. Souverän und sehr fotogen kletterte er unter dem Dach hindurch und machte auf gemütlichem Absatz Stand. Wobei er an nicht ganz festem Gestein kletterte – der ein oder andere Brocken kam dabei schon heraus.

Michi in Höchstform!

Michi in Höchstform!

Nachstieg 5. SL unter dem großen Dach

Nachstieg 5. SL unter dem großen Dach

L6 (20m, 7-): fiel schlussendlich an mich. Über wasserzerfressene Platten gings zum Ausstieg, den wir nach ca. 4,5h Kletterzeit erreichten. Schönes Ding!

Michi auf den letzten Metern vorm Ausstieg

Michi auf den letzten Metern vorm Ausstieg

Alle Fotos: Michael Mayer