Wenn sich die Bäume gelb verfärben und der Nebel durch die Täler kriecht weiß man: Es wird Herbst. Da gilt es, noch schnell die letzte Gelegenheit für einen schönen Hochtouren-Saisonabschluss zu nutzen!

Herbstliche Stimmung

Herbstliche Stimmung

Bereits im letzten Jahr habe ich zusammen mit Bernd die Weißkugel von der Schönen-Aussicht (Berghütte, 2845 m) über den Normalweg bestiegen. Nach dem Steinschlagjoch ging es über den Hintereisgletscher sowie das Hintereisjoch über den ausgesetzten Gipfelgrat zum höchsten Punkt.

Rast am Nordgrat

Rast am Nordgrat

Auch bei dieser Tour heißt unser Ziel Weißkugel, nun werden wir den Berg über seinen Nordgrat bestiegen. Das Wetter zeigt sich schon von seiner herbstlichen Seite: Die ersten Neuschneefälle machen vor allem die Felspassagen am Grat spannend. Mit diesen Informationen fuhren Julian, Marc, Holger und ich am 03. Oktober gemütlich Richtung Südtirol. Leider wollten nicht nur wir das schöne Herbstwetter nutzen, sodass wir bereits bei Merklingen im ersten Stau standen. Da die A7 und der Fernpass nicht weniger voll waren, entschlossen wir uns für einen Umweg über den Arlbergpass, um wenigstens dem Stau auf der Fernpassstraße zu entgehen. Dadurch kamen wir mit reichlich Verspätung erst um 16.30 Uhr am Parkplatz in Melag am Ende des Langtauferer Tales an. Um wenigstens pünktlich zum Abendessen zu kommen, verschärften wir das Tempo im Hüttenzustieg etwas. Und siehe da: Geht doch, minus eine Stunde 🙂

Am Nordgrat

Am Nordgrat

Als Belohnung gabs dann ein 4-Gang-Abendessen mit 2 mal Hauptgang-Nachschlag. Ahhh, super! Leider hatte es im Laufe des Abends etwas zu regnen angefangen, hoffentlich hält der Wetterbericht, was er verspricht! Von Regen war bis jetzt keine Spur zu lesen gewesen…

Blick zum Brandenburger Haus

Blick zum Brandenburger Haus

Am nächsten Morgen galt mein erster Blick dem Wetter. Es hat zwar noch minimal geregnet, aber die Wolken lösten sich rasch auf. Unserer Tour konnte also nichts mehr im Wege stehen. Gegen 06.30 Uhr brachen wir von der Hütte Richtung Langtauferer Gletscher auf. Über Moränen und Schutt erreichten wir die apere Gletscherzunge, über die wir noch ein ganzes Stück aufstiegen, bevor wir uns vor einem Steilstück anseilten. Durch den Neuschnee der letzten Tage hatte sich ab ca. 2800m eine geschlossene Schneedecke gebildet, was das Gehen nicht unbedingt einfacher gemacht hat. Da wir in der Gruppe relativ langsam unterwegs waren, überholte uns bald eine andere Seilschaft, die den Weg spuren musste. Unseren ursprünglichen Plan, den Nordgrat bei einer Höhe von ca. 3200m zu betreten, verwarfen wir aus Zeitgründen und querten erst bei ca. 3400m in diesen hinein. Dort erwartete uns einfaches kombiniertes Gelände bis zum Gipfelkreuz. An einer etwas unbequemen Passage baute ich einen Stand, um ein Sicherungsseil zu installieren. Weiter ging es über den teilweise ausgesetzten Grat mit interessanten Kletterpassagen bis wir schließlich gegen 13.30 Uhr den Gipfel erreicht hatten. Leider ließ uns die dichte Wolkendecke keine Chance auf den Ausblick…

Gipfel im Nebel

Gipfel im Nebel

Nach einer Gipfelrast hieß es dann: Aufbruch, wir hatten schließlich noch einen weiten Abstieg vor uns. Dem Gipfelgrat weiter folgend, erreichten wir nach einem ausgesetzten Schneegrat den Wintergipfel. Von diesem führten sanfte Gletscherhänge via Hintereis- und Langtauferer Joch zu unserer Aufstiegsroute zurück. Da wir am selben Tag noch heim wollten, mussten wir uns sputen. Gegen 18 Uhr erreichten wir die Weißkugelhütte, von der wir unsere Rucksäcke mittels Materialseilbahn ins Tal fahren lassen konnten.

Abstieg am späen Nachmittag

Abstieg am späen Nachmittag

Die Rucksäcke fuhren schon mal vor

Die Rucksäcke fuhren schon mal vor

Wir selbst stiegen zu Fuß hinterher. Im Talboden verschluckte uns neben der anbrechenden Dunkelheit  dichter Nebel, sodass das Suchen der Rucksäcke eine knifflige Angelegenheit wurde. Schließlich fanden wir die Materialseilbahn-Talstation und mussten „nur“ noch eine halbe Stunde nach Melag hinauslaufen. Ein schöner Hochtouren-Saisonabschluss!

Durch dichten Nebel stiegen wir ab

Durch dichten Nebel stiegen wir ab