Schon zum Skitourensaisonbeginn im Januar/Februar hatte mir Julian sein diesjähriges Ziel genannt: Eine Nordwand sollte es sein, genauer gesagt die Hochfeiler Nordwand hoch überm hintersten Zillertal an der Grenze zu Südtirol. Fleißig trainierten wir schließlich darauf hin: Skitouren mit mehr als 2000 Hm waren ebenso dabei wie schwierige und Skiabfahrten durch steile Couloirs.

Schließlich war es soweit: Über einen Kontakt in Südtirol erfuhr ich, dass die Verhältnisse in der Wand gut sein müssten. So gingen wir die Tour  gedanklich noch einmal genau durch, dabei entstand folgender Plan: Nachmittags Anreise ab Stuttgart, Auffahrt bis zur 3. Kehre der Pfitscher Joch-Straße und anschließender Aufstieg ins Günther-Messner Biwak. Am nächsten Morgen früh aufstehen, hoch zur Griesscharte, kurze Abfahrt, zügig zur Nordwand queren, durch diese hindurch und aufgrund der tageszeitlichen Erwärmung möglichst schnell wieder zum Auto zurück.

Die Anfahrt via Brennerautobahn klappte problemlos, und gegen 18.40 Uhr waren wir abmarschbereit am Auto. Wir mussten jedoch vom Weiler Stein etwas unterhalb starten, da die Passstraße noch von einer Schneeschicht bedeckt war. Dies bedeutete einen zusätzlichen Zustieg von ca. 1h. Über die schneebedeckte Straße gings gut voran, lediglich kurze Tragepassagen aufgrund Schneemangel waren etwas nervig.

Schon bald kamen wir am eigentlichen Ausgangspunkt an und querten in den Wald hinunter. Über ein Chaos aus Lawinenkegeln, Muren und umgestürzten Bäumen ging es durch das Oberbergtal Richtung Biwakschachtel. Langsam wurde es dunkel, wir setzten die Stirnlampen auf und liefen monoton durch die Dunkelheit. Nach ca. 3h Gehzeit ab Stein erreichten wir die Biwakschachtel (2439m). Und wie immer ein wenig nervös ob dessen was uns erwarten würde, öffnete ich die Tür. Und siehe da: Eine Super ausgestattete, gepflegte und saubere Notunterkunft. Toll! An dieser Stelle ein großes Lob an die Bergrettung Sterzing, die sich um die Pflege der Biwakschachtel kümmert.

Wir schmolzen Schnee, machten es uns gemütlich und bereiteten das Abendessen zu. Am nächsten Morgen um 3 Uhr piepte mein Handy, es war wieder Zeit aufzustehen. Steil ging es zur Griesscharte (2811m) hinauf, noch in völliger Dunkelheit rutschten wir die steile Rinne auf der anderen Seite Richtung Rötkees hinab. Auf diesem angekommen, fellten wir zügig wieder auf und stiegen den Gletscher bergan, querten an geeigneter Stelle eine Felsrippe und standen bei Sonnenaufgang fast am Einstieg (3160m) der Nordwand.

Nach einer Pause stiegen wir gegen 8 Uhr in die Nordwand ein. Vorsichtig querte ich über eine labile Schneebrücke über den Bergschrund, aber da war es schon passiert: Die Brücke brach unter meinem Gewicht zusammen und ich stand plötzlich in der ca. 1,5m tiefen Randspalte. Ich kletterte wieder hinaus und setzte meinen Weg fort. Im unteren Teil noch ca. 40 Grad steil, stellte sich die Wand im oberen Bereich bis ca. 55 Grad auf. Aufgrund des sehr guten Trittfirns gingen wir die ganze Wand seilfrei, jeder in seinem Tempo. Im oberen Teil wurde es noch einmal ein wenig steiler, was uns aber vor keine Probleme stellte.

 

Mittlerweile war es schon etwas wärmer geworden, sodass einige kleine Steine aus dem rechten Bereich der Wand herunterflogen. Wir hielten uns dementsprechend weit links und stiegen gegen 09.45 Uhr aus der Wand auf den Gipfelgrat aus. Der Himmel war wie vorhergesagt mittlerweile etwas bewölkt, was uns aber nicht störte.

Eine kurze Rast auf dem Gipfelgrat, dann gingen wir das letzte Stück zum Gipfel des Hochfeiler (3510m). Der Schnee am Grat zum Gipfel war schon sehr weich. Während Julian ein kurzes Stück dem Grat absteigend folgte, fuhr ich mit Ski direkt vom Gipfel in die steile Flanke (40 Grad) ein.

Über den Weißkarferner ging es bei gutem Schnee zügig begab in den flachen Talgrund. Wir machten im zunehmend schwereren Schnee noch einmal eine Pause und fuhren dann weiter ab bis zu einer markanten Rinne.

Die Ski am Rucksack, stiegen wir durch diese ca. 150 Hm hinauf zum Mahdbichl. Von dort aus ging es dann endgültig im schweren Schnee bergab. Dem flachen Unterbergtal folgend, trafen wir bald wieder auf die Aufstiegsroute und fuhren das letzte Stück zum Auto hinab.

Facts: Hochfeiler Nordwand (50 Grad, 330 Hm)

Am besten in 2 Tagen mit Übernachtung in der Biwakschachtel.

Komplette Skitouren- und Eisausrüstung erforderlich, Helm nicht vergessen!

Die steile Rinne hinauf zum Mahdbichl ist zwingend zu klettern, durch die steile Schlucht ist es nicht möglich!

Eine gute Tourenbeschreibung gibt’s auf Alpenvereinaktiv.com