Der Jubiläumsgrat verbindet die Zugspitze im Westen mit der über 5 km entfernten Alpspitze im Osten. Bei einer Begehung gilt es, über 8000 Klettermeter (!) zurückzulegen. Der Jubiläumsgrat ist kein Klettersteig! Nur stellenweise wurden Haken und Drahtseile angelegt, um eine Begehung zumindest etwas zu erleichten. Nach Norden bricht der Grat einige Hundert Höhenmeter ins Höllental, nach Süden ebenfalls tief bis auf das Zugspitzplatt ab. Erschwerend zu dieser großen Ausgesetztheit kommt der brüchige Wettersteinkalk hinzu. Nach ca. 2/3 der Wegstrecke bietet sich die neue, gut sichtbare Biwakschachtel der DAV Sektion München für eine (ungeplante) Übernachtung an.

Eine Winterbegehung stellt ein anspruchsvolles alpines Unternehmen dar und ist mit einer langen Westalpentour vergleichbar. Am winterlichen Jubiläumsgrat muss über Stunden absolout konzentriert im kombinierten Gelände geklettert werden, jeder kleinste Steigfehler endet nicht selten im Grund des Höllentales. Durchgehendes Sichern ist aufgrund von Zeit- und  Organisationsgründen nicht oder nur sehr schwer möglich.

Genau deshalb oder gerade deswegen hatten Max, Christian und ich uns diese Tour vorgenommen. Mit einem mehr oder weniger gemütlichen Biwak in der Schachtel. Aber ohne Gaskocher, wie mir Christian auf dem Weg vom Garmischer Bahnhof zur Eibsee-Seilbahn mitteilt. Naja, wir werden es überleben…

Parkplatz Eibsee-Seilbahn, 29. Dezember 2012, 07.00 Uhr: Viele Wintersportler wollen das schöne Winterwetter zum Skifahren auf der Zugspitze nutzen, wir wirken mit unseren Rucksäcken, den Pickeln und Steigeisen etwas deplaziert. Man fragt uns: „Wollt´s zum Grat?“ Wir nicken eifrig mit dem Kopf, voller (Un-) Wissen was wir uns da vorgenommen haben. Bei der Auffahrt mit der zweiten Gondel (die erste war leider schon voll oder wir waren zu langsam, wie man´s nimmt) bestaunen wir das Panorama, was sich uns durch die Scheiben der Goldelkabine bietet: Schöner hätte unsere Tour nicht starten können!
Motiviert bis in die Haarspitzen und in Gedanken schon im Biwak machen wir uns nach der letzten Prüfung der Ausrüstung von der Terasse der Bergstation auf in Richtung Zugspitzgipfel. Das am Ende alles anders kommt als geplant können wir nicht ahnen…

Die Bedingungen am Grat sind nicht gerade optimal. Teils ist der Schnee gut verfestigt, teils steckt man bis zur Hüfte in der weißen Pracht. Wenigstens die Temperatur ist optimal, fast schon ist es zu warm. Frieren tun wir jedenfalls nicht. Das Spuren des ersten Abschnittes am Grat habe ich übernommen. Zunächst sehr ausgesetzt auf der Nordseite, wechselt die Route bald auf die sonnige Südseite und wir hören immer wieder einige Geräusche, die vom Skigebiet zu uns hinaufdringen. Das kombinierte Gelände ist sehr anspruchsvoll, der Grat ist extrem ausgesetzt. Immer wieder geht es hinauf und hinab, wir sind schon einige Zeit unterwegs und der Gipfel der Zugspitze ist noch immer nah. Bei einer falschen Abseilaktion und einer Stelle, die wir sichern mussten, verlieren sehr viel Zeit. Oft gehe ich ungesichert über heikele Mixedpassagen voraus, dabei ziehe ich die Handschuhe aus, um besser klettern zu können. Anschließend sichere ich Chistian und Max nach. Ich ärgere mich darüber, mein zweites Eisgerät nicht eingepackt zu haben, hier könnte es gute Dienste erweisen. So muss ich halt die Hand nehmen…

Um es kurz zu machen: Aus Zeitgründen drehten wir gegen 13.30 Uhr um. Ich sah keine realistische Chance, die Biwakschachtel noch bei Tageslicht zu erreichen. Und ein ungeplantes Nachtbiwak wollte ich hier auch nicht verbringen. Zum Glück konnte ich holländische Kletterer, die bis dato in unserer Spur gegangen waren, auch zum Umkehren bewegen. Sie wären ebenfalls in die Nacht gekommen.

Im letzten Tageslicht kamen wir gegen 17 Uhr wieder am Zugspitzgipfel an. Dort waren jedoch so viele Leute, dass wir erst gegen 19 Uhr mit einer Gondel ins Tal schweben konnten.

Jubiläumsgrat – auf ein neues im Sommer 2013!

Einen weiteren Bericht vom Jubiläumsgrat bei sommerlichen Bedingungen gibts bei Bergzeit.de!