Da die gängigen Nordwandrouten oftmals auch im Herbst schon gute Verhältnisse aufweisen, machten wir uns Ende Oktober auf den Weg zur berühmten Mayerlrampe am Großglockner. Als eine der „Lohnendsten Eisklettereien am Großglockner“ [Schmidt, Pusch] sind 5-6 Seillängen in bis zu 70 Grad steilem Eis zu absolvieren. Wir werden sehen…Und außerdem hatte ich da noch eine Rechnung offen. Stiegen wir doch im Juli 2012 schon einmal zum Glockner-Biwak auf, der Christian aus Innsbruck und ich. Wir konnten damals aber nicht in die Rampe einsteigen, da es über Nacht heftig geschneit hatte. Von den Eisverhältnissen wäre es sich sogar noch ausgegangen.

Lassen wir die Vergangenheit ruhen! Dieses Wochenende fällt der Großglockner, da war ich ganz sicher. Unsicher hingegen war ich, ob Björn, Christian und ich unsere ganze Ausrüstung im Auto unterbekommen würden. Da der Trend zum Zweitzelt geht, wurde es ganz schön eng. Trotzdem schloss sich auf wundersame Weise der Kofferraumdeckel und es ging LOS!!!

Kassel-Würzburg-München-Inntaldreick-Berge. Für uns bergferne Westfalen ist es ja jedesmal ein Höllenritt, daher lohnt sich eine Tour nur dann, wenn Wetter und Verhältnisse wirklich gut sind. Webcam und Wetterbericht verfolgten wir im Vorfeld ausführlich, sodass wir uns da wirklich sicher sein konnten.

Nach einer langen Anfahrt waren wir am folgenden Morgen gegen halb 11 startklar. Die Ausrüstung wurde – na klar – auf ein Minimum reduziert, sodass ich mit einem 28L-Rucksack auskam. Der Zustieg erfolgte von der Franz-Josefs-Höhe (2362m) zunächst über die Pasterze, bevor es durch eine kleine Schlucht und über steile Hänge in Richtung Glocknerbiwak ging. Wahnsinn, vor 3 Jahren konnten wir noch gut über den linken Gletscher steigen. Nun war dieser so zerissen, dass der Weg über den Grat deutlich angenehmer war. Erst gegen 16.30 Uhr erreichten wir die Biwakschachtel auf 3205m und machten es uns gemütlich. Die fehlende Akklimatisierung machte sich deutlich bemerkbar, aber was will man machen? Zum Glück waren wir relativ früh dran und bekamen noch drei Schlafplätze in der 8-Bett-Unterkunft. Einige Stunden später würden sich insgesamt 14 Leute (!!!) die Behausung teilen…

Dass am nächsten Morgen nicht alle gleichzeitig zur Mayerlrampe starten konnten, lag auf der Hand. So gingen wir drei erst gegen 05.45 Uhr los und ließen die wirklich schnellen Leute von dannen ziehen. Nach ca. 20min erreichten wir im ersten Licht den Bergschrund, also den Übergang vom Gletscher zur 50 Grad steilen Zustiegsrampe. Zwei Seillängen stieg ich gesichert vor, bevor wir auch aufgrund der prekären Standplätze das Seil wegpackten und seilfrei bis zur Abzweigung weiterkletterten.

Die folgenden 5 steileren Seillängen machten echt Spaß! Nicht zu schwer und nicht zu einfach ging es stetig empor. Auch die Absicherung wurde besser: Immerhin bekam ich am Stand eine kurze Eisschraube vollständig in das dünne Eis hinein. Von den Fotos in diversen Tourenführern ist die Eissituation meterweit entfernt! Durch ein kleines Couloir erreichten wir den Ausstieg auf der Grögnerschneide. Wir machten ausgiebig Rast und bestaunten den Gipfelgrat: „Den haben wir ja gleich!“

Denkste! 5 Seillängen anspruchsvolle, ausgesetzte, verschneite Gratkletterei erwartete uns. Von der allerfeinsten Sorte, vorausgesetzt man weis sich in einem solchen Gelände sicher zu bewegen. Einige Bohrhaken fanden wir vor, aber für die übrige Absicherung musste selbst gesorgt werden. Schlussendlich erreichten wir endlich um 15.15 Uhr den Gipfel des Großglockners, mit seinen 3798m immerhin der höchste Berg in ganz Österreich. Die Fernsicht war aufgrund des klaren Herbstwetters mehr als fantastisch, trotzdem blieben wir nur kurz am Gipfel. Die Nacht verbrachten wir nach dem relativ schnellen Abstieg an der Erzherzog-Johann-Hütte auf 3451m. Der nächste Tag verging mit Abstieg und Heimreise ebenfalls, bevor ich mich abends unter die verdiente Dusche stellte.

Björn, Christian, danke für die tolle Tour!

Facts: Großglockner, 3798m: Mayerlrampe (70 Grad, III+)

Literatur: E. Schmitt/W. Pusch: Hochtouren Ostalpen, Bergverlag Rother

Material: kurze Eisschrauben, Camalots bis #1 am Grat gut einsetzbar. Bei Neuschnee schnell heikel, vor allem am Grat!