Als Einklettertour wählten wir uns den leichtesten Weg durch die Südwand der Aiguille du Midi (3840m).

Schlüsselstelle der Rebuffat

Schlüsselstelle der Rebuffat

Früh am Morgen fuhren wir mit der ersten Gondel hinauf, um anschließend ein kurzes Stück über den ausgesetzten Midi-Plan Grat zur Wand abzusteigen. Am Einstieg hatte sich bereits eine Schlage von Aspiranten gebildet, die auch in die Rebuffat, sodass wir uns als 4. Seilschaft anstellen mussten. Während der Wartezeit hatte ich Gelegenheit, mir die anderen Seilschaften einmal genauer anzuschauen:

  • Es viele Seilschaften mit Bergführer unterwegs.
  • Einige Kletterer hatten riesige Rucksäcke auf dem Rücken, während wir mit einem kleinen 15l-Modell auskamen. Wir seilten jedoch nach der Tour wieder ab und wollten auf der Cosmiques-Hütte übernachten. Gängig ist es aber, die Rebuffat als Tagestour zu machen und anschließend mit der Gondel nach Chamonix zurückzukehren.
Am Einstieg

Am Einstieg

Zwei ganz unterschiedliche, aber durchaus gängige Taktiken also. Aufgrund des kleinen Gepäcks waren wir somit auch viel schneller unterwegs, sodass wir die eine oder andere Seilschaft überholen wollten. Leider war dies nur sehr eingeschränkt möglich, sodass wir nach tollen Seillängen immer wieder eine halbe Stunde oder länger am Standplatz warten mussten, damit die nächste Seillänge frei wurde. Dies war jedoch kein Problem, denn Wetter und Aussicht waren fantastisch: Droites, Courtes, Grand Jorasses mit dem Walkerpfeiler, Deant du Geant, Mont Blanc du Tacul – willkommen in der Arena des Alpinismus! Auch zeitlich hatten wir keine allzu großen Sorgen, denn die Tour hatte insgesamt nur 8 Seillängen. Auch war der häufige Stillstand für unsere Akklimatisation echt hilfreich 😉

Der Autor im Granitmeer

Der Autor im Granitmeer

Die Kletterei war fantastisch: Die Schlüsselseillänge war ein seichter Riss, was dann folgte, war Genuss pur: Risse, Platten und Kanten, alles im sehr griffigen Mont-Blanc-Granit. Die Absicherung war gut, an den Standplätzen steckten Bohrhaken. Zwischendurch sah man immer mal wieder an einigen Stellen einen Silberling blitzen, aber nur dort, wo es sich nicht anders absichern lässt. Eigeninitiative ist also auf jeden Fall gefragt.

Wo ein Riss ist, wird geklemmt

Wo ein Riss ist, wird geklemmt

Am Ausstieg ordneten wir die Seile, sodass wir über die Südwand abseilen konnten. Bei einem Manöver verklemmte sich das Seil jedoch so stark, dass ich hinabsteigen musste und quasi aus dem Riss reißen musste. Ergo: ohne Knoten am Seilende seilt es sich auch ganz gut ab! Während der letzten Abseilfahrt mussten wir feststellen, dass wir ca. 30m zu weit rechts unseres Materialdepots waren. Mist! Jochen stapfte dann heldenhaft das kurze Stück Gletscher hoch  und holte unsere Bergstiefel. Merci! Den Tagesabschluss bildete ein kurzer Marsch zur Cosmiques-Hütte, wo wir den Tag entspannt ausklingen ließen.

Abseilen

Abseilen

Facts:    Aiguille du Midi Südwand – Rebuffat (240m, 6a+)

Ausrüstung: Satz Camalots bis 4 (C 3´s auch gut einsetzbar), Satz Link Cams, komplette Hochtourenausrüstung

Zeit: Zustieg 30 min, Route ca. 5h (Einstieg-Gipfel ohne Stau!)