Endlich komme ich mal wieder dazu, euch einen Bericht einer wilden Klettertour zu präsentieren. Ließen mir doch Uni, Paddelurlaub und Arbeit in letzter Zeit nur wenig Zeit zum Schreiben. Aber hier in Westfalen regnet es seit Stunden ununterbrochen, und die Motivation für eine Trainingseinheit vor der Haustür ist dementsprechend tief.

Bereits im Frühling war ich mit meinem Kumpel Christian im Wilden Kaiser unterwegs. Genauer gesagt an der Fleischbank-Ostwand! Berühmt geworden durch zahlreiche Extremtouren, stellte sie mit der Dülfer-Tour durch die Ostwand schon früh einen Markstein des Alpinkletterns dar. Und genau diese Tour hatten Christian und ich uns vorgenommen.

Aufgrund der sehr warm Temperaturen tagsüber beschlossen wir, schon früh an der Griesener Alm zu starten. Dem Weg zum Stripsenjochhaus folgend, konnten wir in Höhe des Schuttfeldes queren zum Eggersteig, der sich bis hinauf in das Elbmauer Tor zog. In circa 2h gelangten wir zunächst über diesen Steig zum Wandfuss. Den Beginn der Tour markierten zwei Längen im dritten Schwierigkeitsgrad. Die Route folgt sehr offensichtlich dem leichtesten Weg, sodass unserer Meinung nach keine großen Orientierungsprobleme auftraten. Alle Standplätze sind mit zwei Klebehaken eingerichtet.

Die dritte Seillänge forderte uns zum ersten mal ein wenig. Durch einen kraftraubenden Riss kletterte ich bis zu einem gemütlichen Standplatz in einer Nische und sicherte Christian nach. Mittlerweile hatte uns die Sonne mit ihren ersten Strahlen erreicht und augenblicklich wurde es schon sehr warm. Ohje, das kann ja was werden!

Die Route war durch ihre vielen Begehungen schon recht abgespeckt. Das soll kein Manko sein, sondern lediglich als Warnung dienen, dass die entscheidenden Griffe und Tritte schon mal etwas fester belastet werden müssen. Die Gesteinsqualität war überwiegend sehr gut, was zum einen dem kompakten Kaiserkalk und zum anderen den vielen Begehungen geschuldet ist.

Seillänge um Seillänge arbeiteten wir uns empor. Die eindrucksvollen Quergangsseillängen waren etwas ganz besonderes. Mauerglatte Platten erforderten konzentriertes Steigen, und in den wenigen steilen, kraftraubenden Passagen musste schon ganz kräftig zugepackt werden.

Doch Achtung, die schwierigsten Seillängen warten ganz oben! Mit VI+ im Rahmen des machbaren, wären es doch keine AusstiegsRISSE gewesen. Diese zwei Seillängen hatten es aufgrund etwas feuchter Risse, die sauber geklemmt werden mussten, in sich.

Doch letztlich schafften wir auch diese Seillängen, um im Anschluss noch 150 seilfreie Klettermeter zum Gipfel der Fleischbank anzuhängen. Mittlerweile zeigte sich das Wetter nicht mehr von seiner besten Seite, sodass wir schnell abstiegen. Mal wieder eine gelungene Klettertour!

Wilder Kaiser, Fleischbank Ostwand, Dülfer (VI+, Wandhöhe 350m, 14SL)