Schon oft wurde ich gefragt, ob ich nicht einen Teil meines Urlaubes am Wasser verbringe. So richtig ausspannen und in der Sonne herumliegen. Ich antwortete stets: „Auch ich fahre gerne ans Wasser. Dann muss es aber gefroren sein und in einem Winkel von mindestens 75 Grad zum Boden stehen.“ Eisklettern, am liebsten natürlich bei Sonnenschein!

Eisarena Kolm-Saigurn

Schon Mitte Dezember waren die Bedingungen in vielen – auch tiefer gelegenen Gebieten – zum Eisklettern gut. Doch es sollte bis Anfang Januar dauern, bis ich das hart gefrorene Wasser unter meine Steigeisen und Eisgeräte bekam.

Blaues Spitzl

Mit Fabian aus München ging es eines Abends mit einem ausgebauten VW T4 Bus von Feldkirchen über die Autobahn zunächst Richtung Salzburg, am Inntaldreieck bogen wir Richtung Kufstein ab. Über Oberaudorf, St. Johann, Zell am See erreichten wir den letzten Parkplatz im Rauriser Tal.

Kolm-Sai Hauptfall

Am nächsten Morgen mussten wir zunächst auf der im Winter gesperrten Rodelstraße ca. 5 km taleinwärts laufen, um in die Eisarena Kolm-Saigurn zu gelangen. Mit dem Eisklettergepäck ein Hatscher von einer guten Stunde. Die Eisbedingungen waren gut, wenn auch nicht optimal. Den Cascadi-Fall hat der starke Föhnsturm der letzten Tage bereits in die ewigen Jagdgründe geschickt. Doch wir hatten noch genug Alternativen: Kolm-Sai Hauptfall (WI 5-, 60m), Blaues Spitzl (WI 4, 60m) sowie des sehr schöne Barbara Fall (WI 3, 50m) hießen die Ziele des heutigen Tages. Teilweise hatten wir es mit morschem Eis zu tun, es überwiegte jedoch solches von guter Qualität!

Am Abend mussten wir bestürzt feststellen, dass die Leistung unseres Gasherdes im Bulli rapide abnahm. Mit ein wenig Vorwärmen der Gasflasche durch die Dieselstandheizung haben wir das Problem dann aber beheben können.

Seilschaft in Supervisior WI6

Am nächsten Tag fuhren wir weiter in das Gasteiner Tal, welches unmittelbar an das Rauriser Tal grenzt. Zum einen, weil uns im Rauriser Tal die Alternativen ausgingen (solche von guter Qualität!), zum anderen lockte die Eisarena am Ende des Gasteiner Tales mit Mehrseillängentouren. Da wollten wir hin! Nach unserer Ankunft am späten Vormittag stiegen wir mit Ski zur Eisarena am Ende des Gasteiner Tales auf. Der Federweisser-Fall (WI 4, 180m) war genau das richtige Ziel für heute! Gebohrte Abseilstände und moderate Schwierigkeiten bei gutem Eis entschärften unsere erste Mehrseillängen Tour etwas.

Abseilen über Mordor

Der nächste und letzte Tag bildete den Höhepunkt unseres eisigen Kurztrips: Eine Begehung vom Mordor (WI 5, 250m). Schon früh am Morgen stiegen wir zu Fuß den Höhkarsteig hinauf (die Schneelange war geringer als von uns am vorherigen Tag eingeschätzt). Anschließend erlebten wir im Eisfall alles, was man bei einer solchen Tour als Neuling in langen Fällen erlebt: kalte Hände, blutiges Gesicht (ich), fliegende Eisschrauben (Fabian), Eisschlag, das man denkt der Helm fliegt auseinander (ich), maximale Ausgesetztheit (beide:) und nicht zu vergessen das abschließende Abseilen an Albakolov-Eissanduhren. Schön war´s, da komm ich gerne wieder!