oder auch nicht? Ein paar Hinweise zur Haltbarkeit von Sportkletterausrüstung

Immer wieder sehe ich Sportkletterpartner mit rein äußerlich schon älterer Ausrüstung beim Klettern. Spricht man denjenigen dann auf seinen verschlissenen Gurt an, kommt meist als Antwort: „Den habe ich schon zehn Jahre, und der hält immer noch gut!“ Klar, sonst würdest du hier auch nicht vor mir stehen. „Aber wie lange hält denn dein Gurt noch“, entgegne ich dann meistens und stoße auf häufig irritierende Blicke. Rein rechtlich ist dagegen nichts einzuwenden, trotzdem gibt es in diesem Gastbeitrag einige Hinweise zur Haltbarkeit von eurer Sportkletterausrüstung. Die Erfahrung zeigt, dass die Ausrüstung meist deutlich länger eingesetzt wird als vom Hersteller vorgesehen. Hinterfragt euch einmal selbst: Wie lange ist mein Seil schon im aktiven Einsatz? Ist es nicht mal Zeit für ein neues? Dieser Artikel soll euch bei der Entscheidungsfindung unterstützen.

Wichtige Anmerkung: Bei den Erläuterungen beschränke ich mich auf die private Anwendung von Bergsportmaterialien. Für Bergschulen, Hochseilgärten etc. gelten spezielle Bestimmungen, die aber hier nicht erläutert werden.

Textile Verbindungsmittel

Für alle textilen Verbindungsmittel geben die Hersteller eine Lebensdauer von 10 Jahren an. Dies gilt auch bei Nichtgebrauch. Bandschlingen, Klettergurte und Express-Verbindungsmittel sollte man bei mechanischen Beschädigungen und Verschleißspuren aussortieren. Dies kann je nach Abhängigkeit von der Nutzung bereits nach einem Monat der Fall sein!

Bei vorgefundenem Material (z.B. an Abseilstellen) muss kritisch geprüft werden, ob dieses noch funktionsfähig ist. Im Zweifel den ganzen Kram abschneiden und durch eine eigene Reepschnur ersetzen. Besondere Vorsicht gilt bei vorgefundenen dünnen Dyneema-Schlingen (6 bis 8mm) an Abseilstellen: Aufgrund des kleinen Querschnitts liegt die Bruchfestigkeit im Neuzustand nur knapp über der Norm von 22 kN, nach drei bis fünf Jahren kann der Wert auf bis zu 13 kN absinken! [4]

Weitere Hinweise finden sich in einem Artikel der DAV-Sicherheitsforschung aus dem Jahr 2015.

Kletterseil

Der Hersteller gibt für ein Kletterseil die maximale Anzahl von Normstürzen aus, der ein Kletterseil höchstens ausgesetzt sein darf, bevor es ausgemustert werden muss. Spätestens nach Überschreiten dieser Normsturzzahl oder einer Lebensdauer von zehn Jahren muss das Seil ausgemustert werden, auch wenn es nie im Einsatz war. Die meisten Hersteller staffeln die Lebensdauer nach der Einsatzhäufigkeit, wobei die in der nachfolgenden Tabelle aufgeführten Faustformeln gelten:

Einsatzhäufigkeit Haltbarkeit
1-2x pro Jahr bis 7 Jahre
1x pro Monat bis 5 Jahre
mehrmals pro Monat bis 3 Jahre
1x pro Woche ein Jahr

 

Nach Kontakt mit scharfen Kanten, Säure, bei mechanischen Beschädigungen, nach hohen Temperatureinflüssen (Autokofferraum) oder bei hohem Abrieb sind Kletterseile sofort auszusortieren. [1] [2]

Sicherungsgerät

Bei der Vielzahl an Sicherungsgeräten kann keine pauschale Aussage getroffen werden, wann dieses auszutauschen ist. Jedoch gibt es ein paar Parameter, die jeder Benutzer selbst überprüfen kann:

  • Die Bremsfunktion muss uneingeschränkt gewährleistet sein.
  • Die Einschleifspuren am Gerät dürfen nicht zu gravierend sein.
  • Die beweglichen Elemente dürfen nicht zu viel Spiel haben (z.B. Grigri).

Nun bleibt die Frage, was „nicht zu gravierende Einschleifspuren“ sind. Das ist denke ich eine Einzelfallentscheidung, die jeder Anwender für sich treffen muss. Alternativ ist eine erfahrene Person zu Rate zu ziehen. [2]

Karabiner

Die meisten Hersteller geben keine Begrenzung der Lebensdauer an, einige andere nennen eine von maximal 10 Jahren. Solange die Funktion eines Karabiners nicht beeinträchtigt wird, kann er verwendet werden. Der Schnapper muss demnach widerstandsfrei und vollständig verriegeln können, außerdem dürfen keine scharfen Kanten durch Seilabrieb auftreten. Ansonsten ist das Material auszusortieren. Auch ist bei Verschlusskarabinern darauf zu achten, dass der Verriegelungsmechanismus funktioniert. [2]

Kletterhelm

Da der eingesetzte Kunststoff einem natürlichen Alterungsprozess ausgesetzt ist, sind Kletterhelme auch bei Nichtbenutzung nach spätestens zehn Jahren auszusortieren. Dies ist die maximale Lebensdauer, die Hersteller für ihre Helme angeben. Nach jeder Benutzung ist der Helm auf mechanische Beschädigungen, z.B. Verformungen oder Risse zu kontrollieren. Nach jedem schweren Eis- oder Steinschlag mit Helmtreffer ist der Helm zu entsorgen, da auch unsichtbare Risse in der Schale entstanden sein können. [3]

Bei Unsicherheiten gilt: Sucht euch eine erfahrene Person (z.B. Bergführer, sachkundige Person,…) und fragt diese um Rat. Bei Zweifeln vielleicht noch besser: Entsorgen und neu kaufen! Euer Leben hängt schließlich davon ab.

 

Quellenangaben

[1]        Becker, M. (2014) in Merkur Online: „Material und seine Lebensdauer: Wie lange hält das Zeug“, http://www.merkur.de/outdoor/material-seine-lebensdauer-lange-haelt-zeug-3737358.html, Abruf am 22.03.2016

[2]        EDELRID GmbH & Co KG (2016), „Gefahren für Bergseile“, http://www.edelrid.de/gefahren-fuer-bergseile/, Abruf am 22.03.2016

[3]        Hellberg, F / Semmel, C. in: Deutscher Alpenverein (2010) „Im Zweifel für den Zweifel“, http://www.alpenverein.de/chameleon/public/3b728a87-7439-6485-6a71-309d18d196f5/Panorama-2010-5-Alterung_18414.pdf, Abruf am 22.03.2016

[4]        Hummel, C. / Hellberg, F. in Deutscher Alpenverein (2014): „Neues aus dem Schlingendschungel“, http://www.alpenverein.de/chameleon/public/e318ce0e-2562-d028-d728-5284258c85ac/Panorama-5-2014-Sicherheitsforschung-Bandschöingen-Schnüre_24264.pdf, Abruf am 22.03.2016