Für den letzten Cogne-Tag hatten wir uns einen weiteren Klassiker vorgenommen: Hoch oben über Lillaz war ebendieses Lillaz Gully sichtbar. Der steile Zustieg über unangenehm zu gehendes Geröll war die Eintrittskarte in diese tolle Tour – wir können sagen, es hat sich gelohnt! Das Lillaz Gully ist eine abwechslungsreiche Tour mit einer Mixedstelle, die zum Ende noch einmal Spannung garantiert.

L1, WI4: Die Einstiegsseillänge bietet schon einmal einen kleinen Vorgeschmack auf das Ambiente der Tour. Ein enges, eisgefülltes Couloir. Gut zu sichern und zu klettern, hat wirklich Spaß gemacht. Weniger Eis hätte es aber nicht sein dürfen. Der Standplatz befindet sich an der linken Begrenzungswand.

L2/3/4, Stelle 50 Grad: Wiederum ein steiles Schneefeld, was den langen Mittelteil dieser Route bildete. Optional kann an gebohrten Standplätzen gesichert werden, bei uns war dies (auch wegen der guten Schneelage) nicht notwendig.

L5, WI 3, M3: Der Weiterweg versprach nun deutlich interessanter zu werden. Michi ließ im Vorstieg sicherungstechnisch nichts anbrennen und arbeitete sich souverän über die etwas unangenehme Mixed Stelle hinauf. Auch die Eisstelle war problemlos. Der Standplatz war aufgrund der geringeren Schneelage in als in den Vorjahren selbst einzurichten, die dafür vorgesehenen Bohrhaken waren bei unserer Körpergröße leider außer Reichweite…

L6, WI 4: Die beste Eisseillänge der Tour! Eine erste Steilstufe ließ sich wunderbar durch eine Verschneidung klettern. Die nachfolgende Säule stellte sich bei erster Betrachtung als recht abschreckend heraus, es kletterte sich jedoch mit 3-4 Zügen in steilem Eis ganz hervorragend. Der gebohrte Standplatz befindet sich in den rechten Begrenzungsfelsen.

L7, M4: Laut Björn, der die Tour vor einigen Jahren schon gemacht hat, wartet die Schlüsselstelle in der letzten Seillänge. Und so war es dann auch! Über eine dünne Säulenkombination hält man sich tief im Couloir. Die Absicherung ist mit kurzen bis mittellangen Schrauben ganz hervorragend möglich gewesen. Und dann die Crux: Es galt, möglichst elegant aus einem engen Kamin (mixed) in die darüberliegende Rinne zu kommen. Der einzige Normalhaken der Tour ist genau richtig platziert. Der Rest war dann unschwieriges Steigen im Couloirgrund bis zum Stand rechts an zwei Bohrhaken.

Dank einer tollen Teamleistung unserer beiden Seilschaften ging auch das Abseilen mit vier Leuten relativ zügig vonstatten.

Überhaupt hatte ich bei dieser Tour das Gefühl, die Sache „im Griff“ zu haben und über den Schwierigkeiten zu stehen. Während der Eiskletterwoche konnte ich eine kontinuierliche Steigerung der Fähigkeiten und der persönlichen Sicherheit verzeichnen. Es dauert halt ein paar Tage bis Physis und Psyche wieder im Eisklettermodus sind. Das macht doch Mut, für große, kombinierte Touren im anstehenden Frühling!

Facts: Lillaz Gully (WI4, M4, 7 Seillängen)

Zustieg/Abstieg: Von Lillaz aus nach Süden ins Tal dem Hauptweg folgen. Kurz vor einer Anhöhe nach einer Serpentine links steil und unangenehm den Wald hinauf (meist gespurt). Zeitbedarf Lillaz-Einstieg: ca. 1h. Alternativ zum Abseilen kann auch nach der letzten Seillänge im leichteren Kombigelände weitergestiegen werden, um anschließend per pedes zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Zu dieser Abstiegsvariante kann ich leider nicht mehr sagen, diese wurde von der vor uns kletternden Seilschaft durchgeführt.

Material: 8 kurze/mittellange Schrauben, eventuell 2-3 kleine/mittlere Friends für die 7. Seillänge