Im Sommer verbrachte ich einige Zeit in Chamonix zum Bergsteigen. Während der Ruhetage gehörte natürlich auch der ein oder andere Stadtbummel dazu. In einem großen Sportgeschäft erregte ein kleiner grüner Rucksack sofort meine Aufmerksamkeit. Ich schaute mir ihn genauer an und stellte fest: Den müsste ich eigentlich haben! Weil ich den Hersteller gar nicht kannte, habe ich mir den Rucksack doch nicht gekauft und recherchierte nach dem Urlaub noch einmal genauer: Blue Ice? Nie gehört, damit verbinde ich höchstens steile, winterliche Eisfälle. In Zusammenarbeit mir dem Onlineshop bergfreunde.de hatte ich die Möglichkeit, diesen kompakten Alpinrucksack zu testen und werde euch an dieser Stelle von meinen Erfahrungen berichten.

Der Rucksack verfügt über eine sinnvolle Seilbefestigung

Der Rucksack verfügt über eine sinnvolle Seilbefestigung

Zunächst einmal ein paar Informationen zum Hersteller: Blue Ice wurde im Jahr 2008 am Fuße des Mont Blanc in Chamonix gegründet. Die Produkte haben ein einfaches, klares Design, was jedoch ihrer Funktionalität nicht entgegenspricht. Neben Rucksäcken zählen auch Klettergurte, Chalkbags und diverse Fels- und Eiskletterausrüstung zum Produktangebot.

Der hier getestete Blue Ice Warthog 26l ist ein auf das wesentliche reduzierter Alpinrucksack, der sich besonders für Tagestouren im Bereich Bergsteigen, Eisklettern sowie Alpinklettern eignet. Sein sehr geringes Gewicht von nur  740g bei 26l Volumen legt die Messlatte für Mitbewerber hoch! Trotzdem wurden hochwertigste Materialien verarbeitet:

  • Für den Packsack kam 500er denier Cordura zum Einsatz.
  • Am Boden setzten die Konstrukteure sogar 1000er denier Cordura ein, was die Robustheit deutlich erhöht.
  • Die sehr gut laufenden Zipper stammen von YKK.

Die Materialen spiegeln das Gesamtkonzept des Rucksacks wieder: Kein unnötiger Schnickschnack, alles so gut wie nötig.

Auch die Helmhalterung hat mich überzeugt

Auch die Helmhalterung hat mich überzeugt

Und weil ich euch jetzt nicht mit noch mehr Fakten nerven möchte, gehe ich jetzt klettern! Also auf geht’s, Wetter prüfen, Tour raussuchen und Kletterpartner abtelefonieren: Wer hat am Wochenende Zeit und Lust auf die Tannheimer Berge, Rote Flüh Südwand? Den Abend vorher noch schnell den Rucksack gepackt: Im Warthog verschwindet alles, was ich für eine Mehrseillängentour brauche. Alles? Nein, nicht alles! Exen, Karabiner, Gurt, Schuhe, Notjacke und Proviant kommen in den Packsack. Nur der Helm und das Seil müssen draußen bleiben. Eine sehr stabile Helmbefestigung fixiert den Helm problemlos auf dem Deckel, ohne jedoch den Zugriff zum Deckelfach zu blockieren. Und das Seil kann mithilfe der Fixierung unter dem Deckel befestigt werden.

Kleinigkeiten wie Handy, Geld und Autoschlüssel packe ich entweder ins Deckelinnenfach oder ins äußeren Deckelfach. Die Stöcke für den Zustieg nehmen die beiden Materialschlaufen außen am Packsack auf. Hier können alternativ natürlich auch Eisgeräte befestigt werden. Aufgrund des doch relativ geringen Volumens gemessen am Einsatzzweck sollte man schon genau überlegen, welche Ausrüstung mit muss und was nicht. Frei nach der Devise: Alles nötige einpacken, das Überflüssige zurücklassen!

Beim Zustieg zur Wand: Die Morgensonne hat schon ordentlich Kraft, und ich komme gehörig ins Schwitzen. An dieser Stelle würde mich ein besseres Tragesystem deutlich unterstützen, jedoch geht dies natürlich auch zu Lasten des Gesamtgewichtes. Und da ich dies möglichst gering haben möchte, kann ich an dieser Stelle darauf verzichten. Ein abnehmbarer Hüftgurt, sowie ein Brustgurt entlasten den Rücken zumindest etwas.

Auch für eine Hochour geeignet!

Auch für eine Hochtour geeignet!

Endlich, wir haben den Einstieg erreicht, die Klettertour beginnt! Und hier kann der Blue Ice Warthog 26l seine größte Stärke voll ausspielen: Aufgrund der geringen Rucksackgröße werde ich beim Klettern in der Wand nicht behindert. Der Griff zum Klettermaterial und – ganz wichtig – zum Chalkbag wird durch den Rucksack nicht gestört. Passen die Zustiegsschuhe nicht mehr in den Rucksack, kann man diese auch unter der Helmhalterung verstauen. Nach einigen Seillängen verspüre ich einen großen Durst: Dank der Trinksystemvorrichtung konnte ich eine Trinkblase verstauen und kann nun, ohne den Rucksack abzunehmen, meinen Durst stillen. Die nächste Seillänge führt um eine Kante herum, es besteht plötzlich kein Sichtkontakt mehr zum Partner. Was tun? Die Pfeife im Brustgurt! Zweimal pfeifen = Stand!

Nach einiger Zeit erreichen wir den Ausstieg der Tour. An dieser Stelle möchte ich zusammenfassen: Der Blue Ice Warthog 26l eignet sich besonders für Bergsteiger, Eis- und Felskletterer auf Eintagestouren. Ein sehr kompakter, minimalistischer Rucksack, dessen geringes Gewicht nur zu Lasten des Tragekomforts geht.