In diesem Sommer konnte ich die Ausbildung zum DAV Trainer B Alpinklettern erfolgreich abschließen. Ich möchte euch kurz darstellen, was diese Trainerausbildung beinhaltet, was damit möglich ist und was eher nicht.

Diejenigen unter euch, die Interesse an einer bergsportlichen Ausbildung haben und sich vielleicht nicht sofort an den staatlich geprüften Bergführer nach VDBS wagen möchten, können mit diesem Ausbildungsmodell ihre ersten Führungserfahrungen sammeln, ganz im Wortsinn.

An dieser Stelle ein kurzer Randgedanke: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem guten Bergführer/Trainer B und einem guten Alpinisten? Sicherlich darf ein Bergführer/Trainer B gegenüber seinen Gästen kein Alphatier sein, im Gegensatz zu einem guten Alpinisten steht nicht er sondern der Gast im Mittelpunkt. Oberstes Gebot ist es den Gast sicher auf den Berg und wieder herunter zu führen. Die eigene Leistung steht nicht im Mittelpunkt. Hinzu kommen solche „weichen“ Faktoren wie Einfühlungsvermögen und Gespür für Zwischenmenschliches. Ein guter Bergführer/Trainer B sollte auch durchsetzungsstark sein. Wenn eine Tour zu gefährlich ist oder aber der kürzeste Weg zum Auto über (!) den Gipfel führt, dann muss man das dem Gast auch mal klar machen. Ein guter Bergführer/Trainer B kann auch gut vermitteln – manchmal sogar besser als ein Alpinist (wen wundert´s, der Ausbilder hast ja auch gelernt…). Fallen euch noch mehr Unterschiede ein? Dann mal fleißig kommentieren!

Doch zurück zur Ausbildung beim Alpenverein zum Trainer B Alpinklettern. Begonnen hat alles mit der notwendigen Basis. Jeder Aspirant hat zunächst die grundlegenden Lehrgänge für den Trainer C Bergsteigen zu besuchen. An erster Stelle steht der Lehrgang „Fels“, ca. 8 Tage auf einer Hütte im Ostalpenraum. Dort dreht sich alles um die Themen Standplatzbau, Klettern in Mehrseillängenrouten, Alpine Gefahren, Wetter- und Ausrüstungskunde, Orientierung sowie Natur- und Umweltschutz. Achtung! Man lernt diese Inhalte dort nicht, sondern vertieft nur und lernt, zu „führen“. Das notwendige Wissen ist aus eigenen Touren bereits mitzubringen. Deswegen ist auch ein Tourenbericht der Anmeldung beizulegen. Daran muss man beweisen, dass man bereits ein fähiger Kletterer ist.

Die nächste Hürde nach hoffentlich bestandener Prüfung des Teil 1 ist der Trainer C Bergsteigen, Eislehrgang. Diesen habe ich im Sommer 2014 auf der Franz Senn im Stubaital gemacht. Neben der Spaltenbergung standen auch das Anbringen von Fixseilen, Anseiltechniken am Gletscher, Selbstrettung aus der Spalte und Führung auf Klettersteigen auf dem Programm. Am Ende gab´s eine dreiteilige Prüfung: Spaltenbergung, schriftliche Prüfung und auf Führungspraxis auf Tour. Auch hier sind Aspiranten durchgefallen. Niveau muss sein, auch bei einem Trainer C Lehrgang.

Nach diesem ersten Ausbildungsteil war ich nun Trainer C Bergsteigen. Damit bin ich berechtigt, Kurse sowie Führungstouren im Bereich von leichten Hochtouren sowie leichten Alpinklettertouren (bis UIAA III) Bereich anzubieten. Und das haben wir, Bernd und ich, auch fleißig gemacht! 2015 und 2016 haben wir jeweils Hochtourenkurse am Taschachhaus angeboten, die durchweg gut nachgefragt waren. Um mich noch mehr für das Themenfeld Alpinklettern zu spezialisieren, habe ich im Anschluss an der Ausbildung dazu teilgenommen. Das ganze Gelatsche auf Hochtouren wäre mir sonst auf Dauer einfach zu langweilig geworden 😉

Im August 2016 nahm ich dann an dem zehntägigen Lehrgang zum Trainer B Alpinklettern teil. Dieser fand im Wilden Kaiser auf der Gaudeamushütte statt. Waren wir auf den C-Lehrgängen bis zu 10 Teilnehmer, schulterten jetzt nur 7 Aspiranten ihre Rucksäcke auf dem Weg in die Steinerne Rinne. Zunächst wurden die Basics in Standplatzbau wiederholt, bevor es an den Fels ging. Auch hier galt: Alles Wissen ist im Vorfeld selbstständig zu erarbeiten und wird während des Lehrgangs nur verfeinert. Nach dem ersten Tourentag an der Vorderen Karlspitze war ich schon recht geplättet. Die Oktowasunn (VII) bot so richtig gemeine Längenzüge, und hochmogeln war definitiv nicht drin. Aber das Abendurteil fiel trotzdem positiv aus, gut geführt Lukas! Dann jedoch hieß es Sachen packen – die nächsten Kurstage wollten wir aufgrund von Schlechtwetter in Arco verbringen. Schon cool, mal eben die sieben Klettersachen zusammengepackt und ab gehts zum Gardasee!

So war es dann am nächsten Tag auch. Nach einer regnerischen Anfahrt blinzelte ab dem Brenner immer mal wieder die Sonne durch. Ab Trento war uns das gute Wetter hold und nach dem Beziehen der Hotelzimmer ging´s direkt nach Massone. Hier übten wir bis zum Abend die richtige Sicherungstechnik bei Vorstiegsstürzen, aber auch das Verhalten als Kletterer bei demselben. Die nächsten Tage waren ausgefüllt mit Bergrettungstechniken. Dabei galt es unter anderem, eine handlungsunfähige Person zum Standplatz hinaufzuziehen. Diese Aufgabe war auch die Prüfung im Teilbereich „Bergrettung“. Die Abläufe im einzelnen:

  • Abbinden des HMS per Schleifknoten
  • Lastübertragung auf Prusikschlinge, diese wird durch HMS und Schleifknoten fixiert
  • Auflösen des HMS und Installation Micro Traxion
  • Lastübergabe auf Micro Traxion
  • Abbau Prusik durch Auflösung des Schleifknotens
  • Installation einer zusätzlichen Umlenkung am Zugseil durch Kurzprusik
  • und weil wir das so gut konnten, alles wieder rückwärts und Person über HMS ablassen

Die Bergrettungsprüfung lief nicht so ganz optimal, da ich den ein oder anderen Flüchtigkeitsfehler machte. Trotzdem lautete Bennos Urteil „bestanden“. Daraufhin übte ich noch einmal die Abläufe in Ruhe und siehe da: es ging deutlich besser!

Zum Abschluss unseres Arco-Ausflugs kletterten wir die Via “Lo spigolo nascosto” im UIAA IV. Grad. Ganz gemütlich in Bergschuhen, primär ging es nämlich um die Führungstechnik. Dies war am Freitagvormittag erledigt, sodass wir danach wieder zurück zur Gaudihütte düsten. Ein kurzer Aufstieg und der Tag war rum…Der nächste Tag brachte dann noch einmal ein paar einfache Klettermeter, wiederum an der Vorderen Karlspitze. Der Fokus lag wiederum auf der Führungstechnik, am Südostgrat ließ sich das ganz prima üben! Eine unangenehme, nasse Verschneidung ließ mich aufwachen (ich hatte nur Bergstiefel an), danach ging es ganz genussvoll bis zur Scharte und durch den Matejak-Kamin abseilenderweise wieder zurück.

Der nächste Morgen: Es ist Prüfungszeit! Die wenig begangene „Rigelekante“ an der Östl. Hochgrubachspitze soll es sein. Schon beim Zustieg verliefen wir uns fast ein wenig in der Richtung. Bald wechselte das Gelände vom Wanderweg auf Zustiegsschrofen und wir mussten die Hände aus den Taschen nehmen. Leider war das Panico-Topo etwas fehlerhaft und wir fanden den Einstieg nur nach einigem Suchen. Die Kletterei war brüchig, aber sonst gar nicht so schlecht! Jeder Teilnehmer führte einige Abschnitte, bevor ich die Schlüsselseillänge bekam. In der letzten Seillänge plötzlich ein rumpeln, Thomas war im Steinschlag! Zum Glück „nur“ ein paar kleine Kratzer. Der Abstieg hatte es noch einmal in sich, durch brüchiges Gestein und rutschige Wiesen kletterten wir konzentriert zurück.

Der zweite Tag brachte einen altbekannten Berg: Mal wieder die Vordere Karlspitze. Aber auch hier ließ ich in der „Akkugaudi“ nichts anbrennen. Am Abend dann die Erlösung: bestanden!

Leider gibt es nicht so viele Fotos, einfach weil ich während des Lehrgangs nicht die Zeit dazu hatte!

An dieser Stelle möchte ich noch einmal die wichtigsten Informationen für diejenigen zusammenfassen, die sich ebenfalls für einen Trainer B Alpinklettern interessieren:

  • Voraussetzung 1: Trainer C Bergsteigen oder Quereinstieg über Trainer C Sportlettern mit Ergänzungslehrgang
  • Voraussetzung 2: etwa zehn alpine Klettertouren im V. bis VI. Schwierigkeitsgrad im Kalk und im Urgestein
  • Möglichkeiten: Seilschaftsführung bis zum V. Grad (UIAA) in sanierten Alpinklettertouren

Weitere Informationen findet der Interessent/in auf Alpenverein.de. Bei Fragen zum Kurs könnt ihr euch natürlich auch an mich wenden!